Aktion „aparigraha“ im Dezember: Den Kopf frei machen

Aktion „aparigraha“ im Dezember: Den Kopf frei machenEin ganzes Jahr lang habe ich mir die Zeit genommen Dinge in meiner Wohnung auszusortieren, um sie danach zu spenden oder zu verschenken und mehr Platz zu gewinnen. Vom Einpersonenhaushalt auf 80 qm verkleinerte ich mich zum Zweipersonenhaushalt (Freund kam dazu) auf 55 qm. Nur das was wirklich kaputt oder oll war wurde ersetzt. Auch für unsere Reisen, die großen und kleinen im Alltag, packten wir deutlich weniger ein, weil nur noch das Wichtigste da war. Gerade am Anfang meiner Aktion fühlte ich mich nach jedem bisschen mehr an „weniger“ schon deutlich leichter. Doch was mir auffiel war, dass ich einen Raum vergessen hatte… meinen Kopf.

Todo-Listen im Kopf

Tag für Tag sortieren sich dort neue Listen mit Todos und imaginären Postits. „Bloß nichts vergessen, alles im Blick haben!“ Ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der ich tatsächlich das Gefühl hatte alles unter der Woche geschafft zu haben und dann am Wochenende entspannt Nichts tun konnte. Aber wann war das… mit Anfang Zwanzig? Vor 15 Jahren? Klar gab es auch zwischendurch Momente der Entspannung, innerer Ruhe und mentaler Glückseligkeit. Ich würde lügen, wenn ich meine letzten Jahre als rein „stressgeplagt“ bezeichnen würde. Auf der anderen Seite wurden die Momente des sich-weg-träumens, in denen man die Zeit vergisst und nur in dem Moment ist, immer weniger. Was ist in all der Zeit passiert?

Es ist zu viel im Kopf. Ich hab lange überlegt wie ich es am Besten beschreiben kann, aber im Grunde ist es genau so. Es ist einfach zu viel. Zu viel was man noch erledigen möchte, auch wenn die Listen schon abgearbeitet sind und man 8 Stunden am Rechner saß. „Da geht noch was!“ flüstert einer innere Stimme, getrieben davon jede Alltagslücke mit etwas Sinnvollem zu füllen. Seit meiner Selbständigkeit fehlen manchmal die Kollegen, die im Türrahmen stehen, auf die Uhr zeigen und mich mit einem mach-mal-Feierabend-Grinsen zum Feierabendbierchen überreden. Kollege, Mitarbeiter, Chef, Kunde… alles in einer Person bin. Geteilte Persönlichkeit.

Aktion „aparigraha“ im Dezember: Den Kopf frei machen

Wer bin ich eigentlich?

Multiple Persönlichkeit im Web

Das Social Web macht es nicht leichter: hier bin ich noch mehr. Interessen und Fähigkeiten aufgeteilt in Profile. Für jeden Zweck ein anderes Gesicht. Was gesagt werden möchte wird mehrfach gesagt, aber immer anders. Auf Twitter kurz, auf Facebook ausführlicher, bei Instagram visuell. Die analoge Handlung verschmilzt mit der digitalen. Was in diesem Moment gedacht, gemacht, erlebt wurde, wird im nächsten Moment geteilt. Fast wie in einem Suchtzustand muss ich bremsen, mich selbst ertappen dabei, wie ich mein Leben mehr dokumentiere als es zu leben. Der notwendige Schritt um hier raus zu kommen: Profile im Web löschen.

Wenn… dann …

Jedes neue Todo, jeder neue Plan entsteht im Kopf. Eine Konstruktion an Aufgaben, die Beachtung brauchen und erledigt werden wollen. Erst dann dürfen wir entspannen. Dieses Prinzip lernen wir schon früh, gerne eingeleitet durch die Worte „Erst wenn Du…, dann kannst Du …“. Wenn, dann. Erst eine Bedingung erfüllen, um zu sein wie man gerne möchte. Ein Umweg. Was wäre denn, wenn es diese Bedingungen nicht gäbe und wir einfach den Bauch statt den Kopf sprechen lassen könnten? Würden wir dann bewegungslos auf der Couch liegen und uns tagelang nicht mehr bewegen? Ich glaube kaum. Da gibt es doch noch etwas was man Intuition nennt. Etwas was da ist, ohne dass wir vorher etwas dafür geleistet haben müssen. Die Intuition mit der Kinder durch den Wald rennen und Tannenzapfen entdecken. Die Intuition mit der wir das Lächeln eines Fremden Menschen erwidern. Die Intuition mit der wir auf uns achten, wenn es uns nicht gut geht. Es ist eine Sprache, die alle Menschen auf der Welt sprechen und verstehen. Sie ist universell, überliefert über Generationen, ohne Erklärungszwang. Das Schöne ist, dass jeder sie ins sich, „hörbar“ über das Gefühl.

Aktion „aparigraha“ im Dezember: Den Kopf frei machen

Mal wieder Kind sein.

Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich von 2016, einem Jahr der Höhen und Tiefen. Statt mehr zu wollen, wird es weniger geben im neuen Jahr. So mein einziger Vorsatz. Weniger machen, mehr fühlen. Und die Erde dreht sich weiter. Einen guten Rutsch Euch Lieben und bis im neuen Jahr!

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Bitte klicke zum Akzeptieren der Datenschutzbestimmungen die Checkbox "Ich stimme zu". Damit erklärst Du Dich mit der Speicherung und Verarbeitung Deiner Daten durch diese Website einverstanden.

Ich stimme zu