Aktion „aparigraha“ im Februar: Loslassen

Aktion „aparigraha“ im Februar: LoslassenÜber einen Monat habe ich gebraucht, um an Wochenenden und freien Abenden meine Wohnung auszusortieren. Angefangen von dem Herzstück meiner Sammlungen, den Erinnerungskisten, über meinen 3-Meter-Kleiderschrank bis zur letzten Ecke meiner Küche. Es ist vollbracht, jeder einzelne Raum ist entrümmpelt, und ich sitze oben auf der Spitze eines Müllberges. Aber ist das wirklich alles „Müll“, was ich da aussortiert habe? Kann ich mich jetzt so einfach davon trennen? Das Loslassen ist, so kurz vor dem sich Abwenden, schwerer als gedacht für mich. Doch es gibt 8 einfache Methoden, die mir dabei geholfen haben.


Aktion „aparigraha“ im Februar: LoslassenLoslassen – Was bedeutet das eigentlich?

Ein scheinbar einfacher Begriff, der uns in dieser stressgeplagten und beschleunigten Zeit immer öfter über den Weg läuft. „Lasse los…“ höre ich als sanfte Aufforderung meine Yogalehrerin flüstern. „Lass los!“ als Aufruf meiner besten Freundin alten Wünschen nicht mehr hinterher zu trauern. „Lass … los.“ sage ich mir mitten zwischen Erinnerungskisten voller Briefe, Fotos und Nippes. Los-lassen beinhaltet auch das Wort „lassen“… etwas sein zu lassen, wie es ist. Es sagt mir: „Trenne Dich von etwas oder jemanden, mit dem Du noch verbunden bist“. Als ich so darüber nachdenke, wird mir klar, dass ich gar nicht soviel machen muss in diesem Prozess der Trennung. Ich muss es nur zu-lassen und dann verschwindet der Wunsch, es weiter an mich zu reißen, wie von alleine. Ob ein Gedanke oder ein Gegenstand… ich lasse ihn im Raum stehen, nehme Distanz und kann aus der Ferne drauf schauen. Das Schöne ist: Der Gedanke oder der Gegenstand ist immer noch da, nur haftet er nicht mehr an mir dran.

Trennen von Materiellem

 

8 Methoden, wie man erfolgreich aussortieren kann!

 

1. Feste Termine vereinbaren

Das Aussortieren sollte nicht zwischen Büro und Feierabendbierchen stattfinden, sondern bewusst. Es ist hilfreich sich dafür fest zu „verabreden“ und sich ein Kontingent an Zeit zu sichern. Mehr als 4 Stunden an einem Tag sollte man allerdings nicht investieren… irgendwann lässt die Konzentration nach und man wird schluderig. Ich bin z.B. sehr gut mit Sonntag nachmittags und einem Abend unter der Woche zurecht gekommen.

2. Aufteilung in Inseln

Um nicht im kompletten Chaos und nerviger Überanstrengung unterzugehen, ist es sehr hilfreich, die Wohnung in „Inseln“ zu unterteilen. Damit meine ich thematische Kategorien wie z.B. einzelne Orte (Bad, Kleiderschrank, Büro, Keller, etc.). Auf diese Art und Weise kann man sich besser auf ein Thema konzentrieren und sortiert dadurch auch effizienter aus. Immer wenn ich so vorgegangen bin, konnte ich mein Zeitfenster von max. 4 Stunden pro Tag halten und hatte jedes mal das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

3. Zeitfrage stellen

Oft ging es mir so, dass ich an dem ein oder anderen Gegenstand hängen geblieben bin. Dieser kam mir dann fast wie neu vor, so lange hatte ich ihn nicht mehr benutzt. In dem Moment war es sehr hilfreich mir die Fragen zu stellen:

> Wie oft in den letzten 12 Monaten habe ich diesen Gegenstand gebraucht?
> Zu welchem Anlass werde ich dieses Kleidungsstück das nächste Mal tragen?
> Wenn mir dieser Gegenstand bis jetzt nicht gefehlt hat… wird er mir morgen fehlen?

4. Stufen der Entsorgung

Beim Aussortieren gibt es Dinge, die ohne lange darüber nachzudenken direkt in meinen Hausmüll gewandert sind (wie z.B. gelesene Zeitschriften). Für andere, eher ideelle Gegenstände (wie Fotos und alte Briefe) musste ich mir allerdings mehr Zeit nehmen. Ich habe meinen Weg der Entsorgung daher in 3 Stufen unterteilt: „weg damit!“, „später …“ und „behalten“. Das hat sich bei den Erinnerungskisten bereits als sehr erfolgreich erwiesen.

5. Spendenort vorher festlegen

Erstaunlicherweise konnte ich mich leichter von materiellen Dingen trennen, wenn ich vorher festgelegt hatte, wem ich sie schenken oder spenden möchte. Beispielsweise habe ich im „Kaufhaus für Alle“ in Waldbröl angerufen und gefragt, was genau sie gebrauchen können, und woran es derzeit fehlt. Danach habe ich dann eine Kiste bereitgestellt und diese bewusst gefüllt.

6. Person auswählen

Noch einfacher fiel mir das Aussortieren besonders bei noch sehr gut erhaltenen Gegenständen oder Kleidungsstücken, wenn ich eine bestimmte Person vor Augen hatte. Es kann zum Beispiel helfen, wenn man vor dem Ausmisten nachschaut, wer im Freundes- und Bekanntenkreis bald Geburtstag hat oder ob man noch ein Mitbringsel braucht. Dadurch fiel es mir wesentlich leichter mich von Dingen zu trennen, die nicht mehr wirklich genutzt habe, die aber noch hochwertig waren. Darüber können sich in Zukunft dann Andere freuen.

7. Sparziel vor Augen haben

Gar keine Frage: wenn man weiß worauf man spart, fällt es leichter Dinge zu verkaufen. Anfangs tat ich mich schwer, makellose Gegenstände für wenig Geld bei ebay & Co reinzustellen. Als ich dann aber merkte A) jemand anderes freut sich darüber, B) ich vermisse es nicht und C) mein Sparschwein füllt sich, war das Thema für mich durch. Den gesamten Erlös, den ich durch den Verkauf einige meiner Gegenstände erziele, lege ich brav beiseite für andere große Wünsche.

8. Platz schaffen

Nach einem Aussortier-Tag sitze ich oft ausgepowert vor meinem Werk und betrachte die Leere… was für erfüllendes Gefühl soviel Platz geschaffen zu haben. Bevor man diesen wieder mit neuen Dingen füllt, tut es gut, der Wohnung einfach mal Raum zu geben und die Leere wahrzunehmen. Auf einmal kommen gewisse Bücher wieder besser zu Geltung, und auch im Kleiderschrank tun sich wahre Schmuckstücke auf. Welch ein Wunder …

 

Vorsätze für 2016 machen

Über die Aktion „aparigraha“

Mein Vorsatz für das Jahr 2016 ist, endlich mal auszusortieren und innerlich „klar“ zu werden. Ich beschäftige mich dabei verstärkt mit „aparigraha“, dem sich Freimachen vom Materiellem und Horten von Dingen, eines der 5 Yamas der Yoga-Sutras von Patanjali. Jeden Monat werde ich mir ein neues, eigenes Thema vornehmen, Ziele setzen und diese innerhalb der 4 Wochen umsetzen. Der Plan ist, Stück für Stück zu entrümpeln, bis ich mich später im Jahr von meiner Wohnung trennen und mich verkleinern werde. Meine Erfahrungen über dieses Vorhaben werde ich dann Ende jeden Monats hier im Blog beschreiben.

 

7 Kommentare
  1. Birgit Eder sagte:

    Hi Dani!

    Ist immer so herzerfrischend deine Artikel zu lesen. War wieder super geschrieben.
    Was mir beim Ausmisten schwer fällt: ich denke mir, das ist doch schade, das kann ich doch noch brauchen. Besonders Kleider, da sammelt sich oftmals sooo viel an und nur weil ich jetzt grad keine Lust drauf hab, dann vielleicht in einem Jahr. Meine Kleidung ist zeitlos.
    Dann störts mich auch immer, wenn ich Dinge wegwerfe, wo ich glaube, dass sich jemand anderer darüber freut. Besonders Bücher oder Magazine! Versuche es dann immer zum Flohmarkt zu geben… aber ohne Auto ist das dann auch oftmals kompliziert.
    Aber auch ich bin brav beim Aussortieren, denn mich nervt ein bisschen das ganze Zeug was man hortet! Die alten Briefe und die Erinnerungsstücke und vor allem Nippes… gibts schon längers nicht mehr.

    Also dann, Grußolo aus Salzburg

    Antworten
    • Daniela Klütsch sagte:

      Huhu liebe Birgit,

      genau dieser Herausforderung möchte ich mich stellen und sinnvolle Lösungen finden. Zum Beispiel vermeide ich Dinge einfach wegzuschmeißen und überlegen mir vorher immer: wer soll es bekommen? Zuhause habe ich mehrere „Inseln“ mit Empfängern aufgebaut. Also z.B. eine Kiste für ebay, eine für Trödel, eine für den Hausflur „zu verschenken“. Zu bestimmten Dinge fällt mir oft jemand oder eine Gruppe ein, wie z.B. Fachzeitschriften für meine Bürogemeinschaft. Wenn man so vorgeht wird das ausmisten A) sinnvoller und B) übersichtlicher. Immer schön eine Insel nach der anderen :-)
      Ich bin mir sicher, dass es bei Dir in der Nähe auch Sozialkaufhäuser, Flüchtlingsheime und weitere Initiativen gibt. Schau mal hier, das ist eine Liste aller öffentlichen Bücherschränke in Österreich, wo Du Bücher abgeben kannst.

      Was mir bei Kleidung oft hilft ist Fragen stellen:
      > Wann hatte ich diese Kleidunsgstück das letzte mal an?
      > Wann werde ich es das nächste Mal in den kommenden 6 Monaten tragen?
      > Habe ich etwas, dass so ähnlich ist?

      In Deutschland gibt es eine sehr schön Initiative, die sich speziell mit dem Thema „Slowfashion“ beschäftigt. Bei Modeprotest geht es darum den Konsum von Kleidung zu überdenken und bewusst auszuwählen. Währende der Fastenzeit gibt es eine tolle Aktion, die Klamottenkur, zum mitmachen. Vielleicht was für Dich?
      Liebe Grüße aus Köln & viel Erfolg
      Danni

      Antworten
  2. Maria sagte:

    Hallo Daniela!

    Da hast Du Dir große Ziele gesetzt, ich bin schon auf Deine weiteren Beiträge sehr gespannt.

    Dieser hier hat mir jedenfalls sehr gut gefallen und ich finde ihn sehr motivierend.

    lg
    Maria

    Antworten
    • Daniela Klütsch sagte:

      Hallo liebe Maria,

      oh ja! Diesmal reichen 7 Wochen Fastenzeit einfach nicht aus :-)

      Mein Aktion „Aussortieren“ bewegt auch ganz schön viel in mir. Manche Dinge brauchen etwas mehr Zeit und ich auch, um mir Gedanken zu machen. Ich habe zwar einen Plan und ein Ziel, lasse mir aber auch Raum um zu beobachten was entsteht. Zum Beispiel entstand bei mir erst in den letzten Tagen der Wunsch mich, was meine Präsenz im Web angeht, zu bündeln. Denn: ich habe einen Reiseblog, bin selbständig, baue mir ein 2. Standbein mit Yoga auf und koche nebenher auch noch… und über all das berichte ich im Web. Also, wahrscheinlich eine weitere Aufgabe für den nächsten Monat?!

      Viele liebe Grüße & alles Gute
      Daniela

      Antworten

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