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Work-Life-Balance. Große Worte, die eindeutig „Arbeit“ und „Leben“ voneinander trennen, um sie wieder in Balance bringen zu können. Doch ist Arbeit nicht längst ein Teil vom Leben? Oder sogar Ausdrucksmittel dessen? Gerne wird der sogenannten (meinen) Generation Y genau das zugeschrieben: die Sinnsuche in dem was wir machen. Statt ein Gleichgewicht wieder herzustellen, geht es viel mehr darum, das was Arbeit ist neu zu definieren und alternative Modelle zu finden. Wie möchte ich eigentlich leben? Und welche Rolle spielt meine Arbeit dabei? – frage ich mich seit geraumer Zeit und experimentiere.

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Voll? Halb? Frei?

Die volle auf eine halbe Stelle reduzieren und in der neuen, freien Zeit ehrenamtlich engagieren, das war der Anfang. Den festen Job kündigen und sich selbständig machen, das war der nächste Schritt. Als Unternehmer regelmäßig Auszeiten nehmen und reisen, so ging es weiter. Alles Wege, die möglich sind, alles Wege, die ich ausprobiert habe. Und doch geht die Suche weiter. Wonach? Nach einer sinnvollen Tätigkeiten, nach einem ausgewogenen Verhältnis von Tun und Nichts-Tun, nach dem perfekten Mix aus Arbeiten, Reisen und einfach nur Sein… oder vielleicht auch nach etwas, das es noch nicht gibt.

Die Wahl zu haben bedeutet Freiheit.

Die alternativen Modelle bisher bedienen sich wieder der klaren Trennung von „Work“ und „Life„. Eine halbe Stelle verschafft mehr Zeit für Selbstverwirklichung. Unbezahlter Urlaub erlaubt Reisen, raus aus dem Alltag. Mit dem richtigen Chef lassen sich Büroräume zu Kreativoasen umgestalten und Stellen im Unternehmen ganz nach „meinen“ Wünschen neu definieren. Doch möchte ich wirklich die Verantwortung über meine Art zu arbeiten einem Unternehmen überlassen? Gibt es nicht auch Lebensbereiche, die vom reinen arbeiten unabhängig sind? Und wie könnte ein Modell für Freiberufler aussehen, die bereits Arbeit und Leben eng miteinander verbunden haben?

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Es könnte auch anders sein

Die brand eins mit Schwerpunkt „Arbeit“ stellte in der Ausgabe 09|2014 ein – mir neues – Arbeitsmodell vor: das Teilen einer Vollzeitstelle durch zwei Personen. Diese Idee nennt sich Tandemploy, stammt aus Berlin und bringt über eine Online-Plattform Unternehmen und Jobsharing-Paare zusammen. Ein anderes Modell verfolgt Patrick Glückler mit seiner Idee von „Auszeit auf Zeit“ in seinem Blog. Eine Zeit lang arbeiten, eine Zeit lang Reisen. Und das als Freiberufler mit Projekten, die man sich selber aussucht. Die Idee von Office Escape verfolgt einen ganz anderen Ansatz, nämlich den wie man die Arbeitssituation vor Ort verbessern kann. Statt fest in den eigenen 4 Bürowänden zu verharren, bieten sie den Service bewusst raus zu fahren um in der Natur kreativ zu sein.

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Ist das Büro der Zukunft überall und mobil?

Unsere Büro könnte heutzutage überall sein: im Bahnabteil zur Rushhour, beim Cappuccino im Lieblingscafé um die Ecke, im Supermarkt in der Schlange oder auch unter Palmen am anderen Ende der Welt. Vorausgesetzt W-LAN ist verfügbar natürlich. Aber wollen wir das wirklich? Ist der Laptop auf dem Schoß die einzig denkbare Alternative zum grauen Einzelbüro? Und die Kehrseite des mobilen Arbeitsplatzes nicht auch der die Auflösung des Feierabends? Sabria David vom Slow Media Institut fordert daher auch einen „Digitalen Arbeitsschutz“ für Arbeitnehmer. Zusammen mit dem TÜV Rheinland wurde dieses Präventionskonzept erarbeitet, um den Umgang mit Medien in Unternehmen zu entschleunigen. Aber auch jeder Einzelne von uns kann digitale Pausen im Alltag einlegen, um den Datenstrom im Kopf auszubremsen. Das Digitalfasten ist eine Möglichkeiten, die ich dieses Jahr zur Fastenzeit intensiv ausprobiert habe.

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Was macht gute Arbeit aus?

Wie könnte das Büro der Zukunft aussehen? Welche Rolle spielt die Technik dabei? Und was macht gute Arbeit eigentlich aus? Auch Unternehmen wie Microsoft stellen sich diese Fragen und veranstaltete daher im Rahmen des 25jährigen Geburtstages von MS Office, am 27. September 2014 einen Workshop mit Bloggern und Experten in Berlin. In einer gut durchmischten Gruppe von 18 Teilnehmern, diskutieren wir einen ganzen Tag über das Thema Arbeit erarbeiteten neue Modelle. Jeder von uns hatte bereits seine persönlichen Stationen in der Arbeitswelt hinter sich, so dass wir uns nun gemeinsam fragten „Was macht eigentlich gute Arbeit aus?“. Aufgeteilt in drei Gruppen entwickelten wir eigene Ideen zu dieser Frage. Ob beim „Vorstellungsgespräch auf Augenhöhe“, dem „Unternehmen JETZT“ oder „Vertrauen vs. Selbstverpflichtung“, schwebte uns allen ein Arbeitsumfeld mit mehr Mitspracherecht und Flexibilität vor. Aufgefallen ist mir dabei jedoch, dass wir uns vorwiegend mit dem Verhältnis von Arbeitnehmer und Unternehmen beschäftigten. Die Frage danach wie „neue“ Arbeits- und damit auch Lebensmodelle außerhalb eines Unternehmens aussehen könnten, blieb für mich noch offen.

 

Mein Fazit: Vielleicht wird es auf die Frage, wie wir eigentlich arbeiten wollen, auch nicht DIE eine Antwort geben, sondern viele verschiedene Ansätze und Möglichkeiten, je nach dem in welcher (Lebens-)situation wir uns gerade befinden. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat mir persönlich gezeigt, dass es viel Spielraum gibt in der Arbeitswelt, den wir lange noch nicht ausgeschöpft haben. Ein Blick raus aus dem uns bisher bekannten System lohnt sich, denn neben dem festen Job, der Freiberuflichkeit oder der Halbtagsstelle gibt es noch andere denkbare Alternativen. Bedingungsloses Grundeinkommen für mehr kreativen Freiraum, Sharing Economy statt eigene Besitztümer, gemeinsam statt einsam in der Genossenschaft. Die beschrieben 10 Alternativen im Artikel „Wir arbeiten dran“ von derFreitag bestätigen meine Annahme, dass es noch ganz andere Modelle geben kann als die uns bekannten. Das experimentieren geht also weiter.

8 Kommentare
  1. Beatrice sagte:

    Spannendes Thema! Mache mir da ebenfalls so meine Gedanken. Danke für Deinen interessanten Artikel. Als Freiberufler habe ich manchmal das Gefühl, dass mich die Arbeit noch mehr vereinnahmt, als vorher als Angestellte. Ein endloser Datenstrom, so fühlt es sich tatsächlich an. Aber wie kann die richtige Mischung aussehen? Ich „arbeite“ auch noch daran…

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    • Daniela Klütsch sagte:

      Danke Beatrice für Deine Zeilen! Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass „Arbeit“ unterschiedlich betrachtet werden kann, je nach dem ob wir fest angestellt und frei beruflich sind. Komisch finde ich dabei, dass es scheinbar nur das eine oder das andere gibt und wenig Möglichkeiten dazwischen. Dadurch dass es scheinabt aber mehr Menschen so geht wie uns, tut sich was in dem Bereich. Tandemploy finde ich zum Beispiel einen spannenden Ansatz, aber auch größere Maßnahmen wie das bedingungslose Einkommen. Bis dahin bleibt uns „nur“ an unseren eigenen Modellen zu basteln und einen neuen Weg vorzuleben.

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  2. Anja sagte:

    Hallo Danni, das passt wie die Faust aufs Auge, ich finde mich dort auch wieder. Danke für den kurzweiligen Artikel und die Inspiration. Lieben Gruß!

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