Ein Plädoyer für analoge BegegnungNennt mich altmodisch oder spießig, aber ich glaube DEN Traummann (oder -frau) lernt man nach wie vor klassisch im Supermarkt oder auf der Strasse kennen. Ganz in echt, mit in die Augen gucken, rot werden, Lächeln rüber schicken und zittrig „Hallo“ sagen. Smartphone und Internet haben an dieser Stelle gar nichts zu melden. Während sich in meinem unmittelbaren Umfeld Online-Singlebörsen und Dating-Apps breitmachen, in denen man Männer und Frauen auswählen kann wie Wohnungen bei immoscout24, bin ich der festen Überzeugung, dass Liebe immer noch auf den ersten Blick funktioniert. Die eigenen vier Sinne sind aus meiner Sicht immer noch vertrauensvoller als jedes digitale Profil oder „Match“ System.

Hot oder not? Daumen hoch, Daumen runter. Wisch links = Nein, Wisch rechts = ja. Erst wenn das Profil matcht, wird gechattet. 10 Männer treffen, einer wird schon dabei sein. War nix, nächster, war nix, nächster. In diesem Strudel von Möglichkeiten wird gecheckt was das Zeug hält und alles was unbequem ist aussortiert. Wenn der nicht passt, gibt ja noch genug andere. Keine Zeit für Experimente, keine Lust auf Kompromisse. Wie bequem wenn andere einem die Entscheidung leichter machen. Die Generation Maybe at its Best.

Ist das Angebot wirklich so groß, oder können wir uns nur nicht entscheiden?

Sich analog begegnen
Wenn ich heut zu Tage in einer Runde Single Ladys zugebe, dass ich weder bei Tinder noch bei paarship oder OkCupid bin, bekomme ich oft nur ein mitleidiges Schulterklopfen: „Danni, DAS musst Du mal ausprobieren“ als sei DAS die Lösung all meiner Probleme und ich mit meiner konventionellen Art „sowas von gestern“. Wie man einen neuen Job über XING sucht, seine Freunde bei Facebook im Blick hat und Bücher bei Amazon bestellt, soll man nun auch DEN Mann bei Tinder & Co bestellen … äh finden? Fragwürdig. Wie wär´s mal mit einer digitalen Fastenzeit zwischendurch?

„Dort triffst Du Männer, die Du sonst gar nicht treffen könntest, weil es der Alltag nicht zu lässt.“ Genau, dann ist das eben so und soll so sein! Das nennt man übrigens auch Schicksal oder Bestimmung. Müssen wir wirklich alles kontrollieren, bis hin zu unserem Liebesleben? Ist das Internet DAS neue Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Und gibt es Bestimmung gar nicht mehr? Es kommt mir vor als stelle sich meine Generation ihr Leben digital zusammen, wie ein Online-Baukasten-System. Hier und da ein weiteres Klötzchen zum Glücklich sein, jeder Klotz jederzeit austauschbar.

Können wir uns unsere Partner wirklich wie ein System aus dem IKEA Katalog zusammenstellen? 

Eine Nacht ins Nirvana abtauchen
Flirten findet doch immer noch zwischen zwei Menschen statt und nicht im Chat-Fenster mit Küsschen-Smilies und „anstupsen“. Kein digitales Profil der Welt kann den Moment ersetzen, wenn man jemanden zufällig und ohne vorige Planung begegnet und nach kurzen Blickkontakt, einem intensiven Gespräch oder einer flüchtigen Berührung merkt: DER ist es. Da kann man noch so viel Eckdaten eines Profils abchecken und meinen mit den Übereinstimmungen von Interessen, Freunden & Co Sicherheit für die Zukunft gewonnen zu haben… ein tiefer Blick in die Augen, ein intensives Lächeln, eine besondere Umarmung kann oft viel mehr aussagen, als nur ein „Wisch“ oder „Klick“.

Also, verlasst das Internet, löscht Eure Dating-App und geht raus auf die Strasse um Euch zu verlieben!

Sich auf der Strasse verlieben

Ein weiterer sehr schöner Artikel zu dem Thema:
„Wisch dir ein Date“ in der ZEIT (10. April 2014)

2 Kommentare
    • Daniela Klütsch sagte:

      Danke liebe Birgit! Neben dem Reisen beschäftigen mich im Alltag natürlich auch noch viele andere Dinge im Alltag. Wie eben das Phänomen „Liebe zu Zeiten des Internets“. Ich bin mal sehr gespannt wo das alles noch hinführt, und ob wir uns irgendwann allgemein Menschen online zusammenstellen können für bestimmte Anlässe. Sehr spooky das alles … :-)

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