Vorsatz 2014Jedes Jahr wieder – same procedure as every year – kommen wir zu dessen Ende ins Grübeln, blicken 365 Tage zurück, wägen ab: „Was war gut? Was schlecht?“, erinnern uns an besondere Momente, werden fröhlich, wütend oder auch traurig… und sind motiviert Dinge zu verändern. So entstehen oft die bekannten Vorsätze für das neue Jahr. Erleichternderweise stellte ich in den letzten Tagen des nun schon „alten“ Jahres 2013 fest, dass es nichts gibt was ich mir neu vornehmen müsste, was ich nicht eh schon in Angriff genommen hätte… Nicht-Raucher seit 8 Jahren, belastende Beziehung beendet, festen Job gekündigt, selbstständig gemacht, in meine Heimat umgezogen, kein Fleisch mehr auf meinen Teller, regelmäßig Yoga, Rad statt Auto, Klamottenfasten das ganze Jahr über, Zeit genommen und gereist, neuen Menschen begegnet, mit offenem Herzen, Tango gelernt, neues Instrument begonnen, jeden Tag das Glück begrüßt… Leben ist im Augenblick, wer weiß denn schon was morgen ist?

Es gibt nur eine Sache, die mich tatsächlich nervt und von der ich mich gerne verabschieden möchte: mein digitales Leben im Internet. Ich weiß gar nicht genau wann sie angefangen hat, die Sucht nach der digitalen Präsenz. Mit dem Eintritt bei Facebook? Dem ersten Smartphone? Oder der neu gewonnen Zeit? Fakt ist, dass seither kein Tag vergeht, an dem ich nicht in das WWW blicke. Ich wache jeden morgen neben meinem iPhone auf, werde von W-LAN begrüßt, tausche die ersten Worte des Tages mit Facebook und sitze beim Frühstück Instagram gegenüber. Das Ticket für die Bahn wird online gekauft, die Musik während der Fahrt bei spotify gehört. Im Büro läuft das Internet in Dauerschleife, während Google meinen Tag strukturiert und Email-skype-Chat-WhatsApp den Dialog mit der Außenwelt ermöglicht. Die Nachrichten des Tages bündeln sich im RSS-Reader, während meine Nachrichten über Facebook, Twitter, XING & Co geteilt werden. Ich funktioniere als Sprachrohr, für mich, für andere, und das Internet ist meine Arena. Jeder Netzwerkausfall führt zu Nervosität, schnell muss die Versorgungsleitung wieder hergestellt werden. Wenn am Ende des Tages der Kopf droht rechteckig zu werden und die Augen nur noch Pixel sehen, klappe ich zur Abwechslung gerne die Klappe des Großen zu, und zücke wieder mein kleines Weißes. Das erste Mal im Fahrstuhl, das zweite Mal in der Bahn, das dritte Mal auf dem 10-Minuten-Weg nach Hause. Unbekannte Orte verrät die Karten-App. Gedachtes wird zu Textnachrichten mit 140 Zeichen, Gesehenes zu digitalen Bildern. #hashtags #bringen #die #Dinge #auf #den #punkt Zuhause bin ich wieder privat und treffe ich meine Freunde bei Facebook. Pinnwände verraten mir was wer macht, denkt, fühlt, sieht, liest, plant, isst, mag, hasst, hört, fürchtet, liebt. Wer mit wem, wann und wo, wie oft und wie lange. Die Zeitangabe im Chat wird zu meiner besten Freundin, die mit mir grübelt was es bedeuten könnte, dass ER meine Nachricht schon gelesen aber noch nicht geantwortet hat. Das Social Web ist ein riesen großes Datingportal, stalken ist legal, wenn´s keinen stört. Menschen werden gegoogelt. Über Bilder bei Facebook weiß ich bereits wie ER in Badehose aussieht und was er gerne zum Frühstück mag. Ich höre seine Musik, er „liked“ mich mit kurzen Haaren. Kennenlernen erledigt, kommen wir zur Sache. Kurze Dialogpause beim Analogkochen. Musik aus der spotify-Blase wird zerhackt von WhatsApp-Pushnachrichten. Essen fertig, Film dazu, iTunes sagt mir was ich sehen mag. Vorm zu-bett-gehen noch „mal eben“ alle digitalen Kanäle durch. Gute Nacht Email, Gute Nacht Facebook, Gute Nacht Instagram. Den Wecker gestellt, Flugmodus, Smartphone unters Kopfkissen, Ruhe für die nächsten 7 Stunden.

„Ja ich bekenne mich. Meine Name ist Daniela Klütsch, und ich bin Internet-süchtig. Für das neue Jahr muss ein Entzugsplan her!“

 

1. Stufe (bis Karneval, 9 Wochen)

  • Alle Profile reduzieren auf das Nötigste
  • Uhr anschaffen
  • Wecker statt Handy
  • Facebook-App löschen
  • Pushnachrichten aus
  • Bei Freizeit Smartphone aus
  • Nach 22 Uhr kein Internet mehr

2. Stufe (Fastenzeit, 7 Wochen)

  • Smartphone mit „altem“ Handy tauschen
  • ersetzen was das Smartphone bietet: Landkarte, Navigation, Bahnticket, Kamera
  • Internet nur im Büro
  • Facebook & Co nur für berufliche Zwecke
  • telefonieren in der Telefonzelle
  • wichtige Dinge sagen oder als Brief schreiben

Eine wichtige Sache habe ich heute schon ausgesprochen und hier beschrieben. Das Experiment hat also schon begonnen, ich meine es ernst. Über das, was ich erlebe, was mir gut gelingt und was weniger, werde ich hier Blog weiter berichten. Vielleicht gibt es ja da draußen weitere Menschen, denen solch ein „Entzug“ ebenso ein Bedürfnis ist wie mir. Jeder Tag ist der Tag um etwas zu verändern. Wie wäre es mit jetzt?

11 Kommentare
  1. mukone sagte:

    Toll geschrieben ;) ich bin ehrlich am selben gedanken hängen geblieben und kann mich erschreckender weise zu 95% wiederentdecken ! :(

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    • Daniela Klütsch sagte:

      Danke Mukone, dass Dir der Artikel gefällt. Auch wenn es ein Geständnis ist, das man nicht soooo gerne zugeben mag. Doch, wenn man mal ehrlich ist, ist es genau so… und das ist erschreckend. Zwar werden wir dadurch nicht direkt gesundheitlich bedroht, wie z.B. beim rauchen, jedoch hält uns diese „Sucht“ in Schach, sie manipuliert uns. Und das ist mit Sicherheit nicht erstrebenswert. In diesem Sinne: auf mehr analoges Leben!

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  2. Sebastian Klein sagte:

    Hej Danni!

    Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Projekt und drücke die Daumen, dass es (D)ein Prozess wird.

    Alles sehr schön geschrieben und Du hast zum nachdenken angeregt! Obwohl … jetzt lobhudele ich Dich digital, hmmpf. Da mache ich jetzt mal einen analog Vorschlag: Lass‘ uns doch in in nächsten 8 Wochen mal auf nen Heißgetränk in Kölle treffen.

    In diesem Sinne, der Seb

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    • Daniela Klütsch sagte:

      Huhu Seb,

      danke für die lieben Worte! Das wünsche ich Dir auch!

      Ich freue mich sehr, dass ich einige Leser zum nachdenken und auch zum verändern angeregt habe. Das Thema „digitale Sucht“ ist mit Sicherheit mehr verbreitet als man denkt, nur gibt es nicht jeder zu. Manchmal frage ich mich: „Wie war es denn früher, bevor das Smartphone mit mir das Bett teilte?“ Um das heraus zu finden, kann ich es nur lassen. Die letzen Tage habe ich bereits Facebook ausgedünnt, mir einen Wecker besorgt und das Smartphone in die letzte Ecke verbarrikadiert.

      Deinen Vorschlag ganz bald ein analoges Treffen auszumachen und Digitales sein zu lassen, finde ich toll! Was hälst Du von Februar? Da bin ich auch 100% in Köln und halte mir die Zeit frei(er).

      Freu mich!

      Viele Grüße,
      Danni

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  3. Martin sagte:

    Schöner Beitrag, Danke. Ich hatte in der Adventszeit (=Fastenzeit, wenn auch die unbekanntere der beiden) auf Alkohol verzichtet und Twitter/Mails checken auf 1x/täglich begrenzt. Ersters hat geklappt, letzteres nicht durchgehend. Aber an dieTage, an denen ich meine (privaten) Mailaccounts tatsächlich nur 1x am Tag aufgerufen habe, waren tatsächlich entspannter. Denn ich konnte ja logischer Weise auch nur einmal am Tag antworten. Und das war sehr gut. Das will ich noch mal neu versuchen.

    „Uhr anschaffen“ – da musste ich echt lachen. Bei mir ist es „Uhr reparieren lassen“. Hmm.

    Schau bei Gelegenheit mal wieder vorbei, ob es hier neue Fastenbeiträge gibt… ;)

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    • Daniela Klütsch sagte:

      Danke Martin für Deinen Beitrag und Deine Teilnahme!

      Ich habe mich tatsächlich auch darüber gewundert, dass das „Rauchen aufgeben“ leichter war als das „Internet aufgeben“. Mag sein, dass man dies nicht direkt miteinander vergleich kann, doch sind es beides Dinge, zu denen ich täglich gegriffen habe bzw. immer noch greife. Von der Zigarette wissen wir, dass sie uns bei regelmäßigem Konsum schadet. Und beim Internet? Natürlich bringt das www auch den Fortschritt mit sich, das möchte ich auch gar nicht leugnen oder missen. Es ist wahrscheinlich das Maß, das den Grad von gesund und ungesund bestimmt.

      Ich bin selber gespannt wie gut – oder auch schlecht – ich diesen Entzug schaffen werde. Zur Fastenzeit nach Karneval wird es dann wirklich spannend… ein altes Handy habe ich mir schonmal besorgt. :-)

      Alles Gute Dir und bis bald,
      Danni

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  4. Daniela Klütsch sagte:

    Kurzes Update (11. Februar 2014)

    Mein Vorsatz für dieses Jahr: weniger digitales Leben. Der Erfolg: mäßig.

    Ich finde immer wieder Lücken, um mich selber zu hintergehen. Dabei bleibt das Denken in 140-Zeichen-Beiträgen und Fotografieren von Essen. Zeit sich ZEIT wieder bewusster zu machen und sich zu fragen: „Wo ist sie eigentlich geblieben und wer dreht eigentlich das Hamsterrad?“

    Eine sehr schöne Doku zu diesem Thema:
    SPEED – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

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  1. […] Fastenzeit, relativ, gemessen daran was man unter #digitalfasten versteht. Mit ersten Vorsätzen für das Jahr 2014 näherte ich mich dem Thema an, mit der Fastenzeit und dem Verzicht auf digitales Leben ging ich […]

  2. […] mehr auf das “digitale Fasten”. Bereits zu Anfang 2014 startete sie mit dem Vorsatz ein weniger digitales Leben zu führen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten durch die für sie “permanente […]

  3. […] Interessante Idee ist auch das Klamotten- bzw. Modefasten. Und natürlich ist das digitale Fasten nicht zu […]

  4. […] Ende letzten Jahres fasste ich den Vorsatz ein weniger digitales Leben zu führen. Dafür dass ich dieses Vorhaben gleich am 1. Januar 2014 digital in meinem Blog […]

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