Vergangene Woche fand in Düsseldorf vom 9. bis 11. Januar zum 51. Mal die PSI Werbeartikelmesse 2013 statt. Auf insgesamt 68.000 qm und in fünf Hallen, präsentierte die internationale Leitmesse ein großes Netzwerk rund um die Werbemittelindustrie. Werbemittel, Industrie… nicht gerade mein Fokus als Büro für nachhaltige Kommunikation. Dennoch spannend genug um hinter die Kulissen blicken zu wollen. Sind Werbeartikel wirklich nur lästig und überflüssig, oder kann man sie auch bewusst und sinnvoll für eine Marke einsetzen? Gibt es vielleicht sogar innovative, andere Werbemöglichkeiten? Und welche Alternativen gibt es zu Kunststoff und Plastik? Neugierig mache ich mich auf die Suche und bin nachhaltig unterwegs auf der PSI.

Um nicht gleich erschlagen zu werden von einem Überangebot an Werbung, bereite ich mich bewusst auf die Fachmesse vor und suche mir nur Aussteller aus dem Bereich „ökologische Werbeartikel“ raus. Mein Tag wird überschaulich: von rund 900 Ausstellern sind nur 10 in diesem Bereich aktiv. Unternehmen wie Koziol und eco-promo sind mir bereits ein Begriff, andere wie Globe Hope aus Finnland oder „Jute statt Plastik“ hingegen neu. Von Halle 9 startend, werde ich sie der Reihe nach besuchen, mich informieren und schließlich in Halle 13, der Halle für StartUps, Innovatoren und Erfinder, den Messebesuch abschließen. Trotz übersichtlichem Plan in der Tasche, überwältigt mich das wahnsinnig umfangreiche Angebot der Messe. Wie in einem Riesenkaufhaus auf fünf Hallen, bekommt man hier wirklich alles was man sich vorstellen und auch nicht-vorstellen kann: Kullis in unendlichfachen Formen und Farben, Kaffeemaschinen, Taschen, Messer, Uhren von sportlich bis chic, elektronisch betriebene Mini-Hubschrauber, Feuermelder in buntem Design… Vieles kommt mir bekannt vor aus dem Handel, als patentiertes Markenprodukt. Komisch. Menschen aus unterschiedlichsten Ländern streifen geschäftig durch die Gänge und ziehen ihre obligatorischen Rollkoffer hinter sich her, die heute noch reichlich befüllt werden. Um mein heutiges Ziel auch wirklich zu erreichen, setze ich imaginäre Scheuklappen auf, blende alles aus was bunt und aus Kunststoff ist, zugegeben mehr als viel, und halte die Augen konzentriert offen nach ökologischen Werbeartikeln und Ideen.

Gleich zu Beginn werde ich fündig und treffe auf den strahlend grünen Messestand von „Jute statt Plastik“. Neugierig begutachte ich Taschen von klein bis groß, erkunde das Material und entdecke mir bereits bekannte Marken, wie Frosch und betterlife wieder, die die Jutetaschen bereits für ihr Unternehmen nutzen. Die Tasche von Waschbär zum Beispiel habe ich auf der KarmaKonsum Konferenz 2012 bekommen und nutze sie seitdem als umfunktionierte Leergutasche. Alle Taschen sind erstaunlich chic von so guter Qualität, dass der Vergleich mit einer Plastiktüte, die man sonst im Supermarkt bekommt, so gar nicht passt. Geschäftsführerin Serap Rohwedder erzählt mir mehr zu den Hintergründen von „Jute statt Platik“. Das 2009 gegründete Unternehmen hat sich auf nachhaltig produzierte Erzeugnisse aus Biofasern spezialisiert, wie eben die Jute-Taschen, womit sie in Deutschland führend sind. Anders als Bio-Baumwolle, wächst Jute nur dort wo sie wachsen kann, wie zum Beispiel in Indien und Bangladesh. Dort arbeiten Serap Rohwedder und ihr Mann Collin Rohwedder zusammen mit Kleinbauern, die die Jute anbauen und weiterverarbeiten. Aufbauend auf diese bestehende Infrastruktur, können die Interessen der Menschen vor Ort sowie die von „Jute statt Plastik“ nachhaltig miteinander verbunden werden. Um die feste Form und Pflegbarkeit der Taschen zu garantieren, müssen die Innenseiten beschichtet werden, beispielsweise mit Naturkautschuk oder LDPE Kunststoff. Dieser basiert zwar auf Mineralölbasis, zerfällt aber nach 20 Jahren absolut ungiftig zu Wasser und Kohlendioxid. Auch die Farbe für den Druck ist umweltfreundlich und auf Wasserbasis. Als Unternehmen oder Initiative kann man bei „Jute statt Plastik“ mit einer Auflage von 500 Stück starten und die Taschen so gestalten wie man sie haben mag. Ihre Unternehmensidee kam so gut an, dass diese im Rahmen der PSI ausführlich in einem 4seitigen Bereicht im PSI Messejournal, das vom Gewicht eher einem Katalog gleicht, beschrieben wird.

Der Messestand von Koziol erfreut mich besonders: groß, bunt und nachhaltig. Das Unternehmen hat es aus meiner Sicht geschafft durch eindeutige Werte und konsequentes Handeln erfolgreich zu sein, in ihren Produkten als auch im nachhaltigen Wirtschaften. Auf den ersten Blick mag man meinen „Das ist doch alles Plastik!“, doch beim genauen Betrachten erkennt man den Unterschied. Im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen, verwendet Koziol für seine Produkte weder Duroplaste (industriell produzierte Kunststoffe), BPA (hormonell wirksame Chemikalie) noch Weichmacher und recycelt ontop zu 100 % alle Abfälle, die während der Produktion anfallen. Daraus enstehen wiederum innovative wie einzigartige Produkte, die allesamt in Deutschland erfunden, konzipiert, entwickelt, konstruiert und produziert werden. Diese Ausrichtung, wie auch das Design, ist längst auch außerhalb der Heimat angekommen: Koziol mit seinem Claim „Made in Germany“ wird in über 50 Ländern vertrieben. Neben dem Endverbraucher und Direktkonsumenten, spricht Koziol aber auch Unternehmen an. Das Interesse für nachhaltige Produkte ist besonders in diesem Kundensegment gestiegen, erzählt mir Dominik Dell, Verkaufsleiter für Incentives und Promotion. Zum Beispiel wechselte Ferrero ihren Produzenten für Werbeartikel und lies die Aktionsboxen für Ice Age fortan in Deutschland von Koziol, statt aus Plastik in China produzieren. Ein guter Anfang würd ich sagen.

In Halle 12 geht es weiter mit eco-promo, einem ökologischen Werbeartikel-Händler. Dem einzigen auf der Messe (!), der sich ausschließlich auf diesen Bereich spezialisiert. Im Sortiment des kleinen Unternehmens aus Süddeutschland, werden ausgewählte Produkte aus recycelten und/ oder organischen Materialien angeboten. Viele von ihnen wurden sozial fair produziert und binden zum Teil umweltfreundliche Technologien, wie zum Beispiel Solarkraft, direkt mit ein. Alle Artikel können, wie bei den konventionellen Werbeartikel-Händlern auch, mit individuellen Designs veredelt und bedruckt werden. Dabei versteht sich fast von selbst, dass für den Druck des Kataloges mineralölfreie Pflanzenfarbe wie auch 100%tiges Recycling-Papier verwendet wird. Das junge Team ist gerade noch im Aufbau, berichtet mir Judith Stahl aus dem Consumer Service. So sind die Artikel überschaubar und damit bewusst ausgewählt. Man wird bei eco-promo nicht überfrachtet mit unzähligen Werbeartikeln, so dass man sich gezielt für etwas Besonderes entscheiden kann. Wie zum Beispiel Stifte aus recycelten CD-Hüllen oder Autoreifen. Neu für mich und hier entdeckt. Ein Grund diese direkt mal auszuprobieren.

Ganz überrascht bin in eine Marke wie Globe Hope auf der PSI zu treffen. Überrascht und entzückt, da das finnische Unternehmen ganz zauberhafte Produkte wie Taschen und Kleidung aus alten Materialien herstellt. Upcycling im feinen Stil. Seit 2003 sind sie schon aktiv in dem Segment, erklären mir Taru Aalto und Miia Palttala. Sie verwenden alte, ausgediente Materialien wie Militärsäcke, Anschnallgurte, Vinylplatten, LKW-Planen oder auch Segeltücher und gestalten damit neue, eigene Produkte. Hier auf der Messe stellen sie vorwiegend Taschen und Etuis in verschiedenen Formen aus. Das was Globe Hope darüber hinaus entwickelt, kann man an den beiden Inhaberinnen bestaunen: schicke Mode und originellen Schmuck, wie die Ohrringe aus schwarzem Vinyl. „Wir haben so viel tolles Material auf der Welt!“, schwärmt Miia Palttala in melodischem Deutsch „Warum sollten wir dem noch Neues hinzufügen?“ Das macht mehr als Sinn. Gerade weil man ja nicht auf etwas verzichten muss und Neues aus Altem schöpfen kann, so wie eben hier. Und diese Idee kommt an: In den letzten 10 Jahren ist das Team von Globe Hope auf circa 20 Mitarbeiter gewachsen, die alle unternehmerischen Bereiche wie Design, Produktion, Vertrieb, Marketing vor Ort in Finnland abdecken. Dort gibt es auch lokale Stores. Der weitere Vertrieb läuft über den Online-Shop und über Kooperationen mit anderen Shops in Europa. In Deutschland baut Globe Hope dieses Jahr verstärkt ihr Netzwerk aus. So sind sie auch auf der Ethical Fashion Show in Berlin vertreten, wo ich sie ein zweites Mal besuchen werde. Upcycelte Mode und Taschen sind vielleicht nichts Neues, jedoch hat Globe Hope aus meiner Sicht etwas Besonderes. Keine ihrer Taschen ist Standard, jede individuell und alle zusammen sehr vielfältig. Ganz besonders, und so noch nicht gesehen, finde ich die Idee Material von Unternehmen für das Upcycling zu nutzen um so neue Corporate Produkte zu schaffen. Zum Beispiel wurde Globe Hope von der finnischen Airline „Finnair“ beauftragt neue Produkte aus alter Board-Kleidung zu entwickeln. Entstanden sind einzigartige Taschen und Portemonnaies im Finnair-Design. Ontop kann man als Unternehmen noch das eigene Label in die Globe Hope Produkte einnähen lassen, wodurch ein interessantes, neues Werbemittel entsteht. Individueller kann es kaum sein.

Drei Stunden und vier Hallen später, geht mir langsam die Puste und Lust aus. Ich mache mich auf zu Halle 13, dem Raum für Erfinder und Neue Ideen, in der Hoffnung hier erfrischt zu werden. Gedankenverloren laufe ich auf einen kleinen, mit den Worten „Bio-Fair-Klimaneutral“ bedruckten Stand zu und damit Gründer Stefan Niethammer fast in die Arme. „Ich bin auf der Suche nach ökologischen Werbeartikeln.“ „Da bist Du hier genau richtig!“ Seit 2006 beschäftigen sich 3Freunde mit der Entwicklung von (Ober)Bekleidung aus zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle. Diese verarbeiten sie weiter und bieten damit Unternehmen passende Lösungen: von Einzelstücken bis zur Großauflage, individuell bedruckt oder auch nach eigenem Schnittmuster. Der Anbau der Biobaumwolle, als auch die Produktion der Kleidung, werden von verschiedenen Kooperationspartnern in Indien umgesetzt. 3Freunde sind nicht nur eine Alternative zum konventionellen T-Shirt oder ein besonderes Werbemittel, sondern auch Vorbild in ihrem Bereich. Unternehmer Stefan Niethammer und Rapha Breyer haben sich ein sehr breites Wissen angeeignet, das sie mit Leidenschaft und funkelnden Augen weitergeben. In kurzer Zeit erfahre ich mehr über die Besonderheiten der Produktion von Kleidung in Indien, den Unterschied zwischen Bio-Baumwolle und zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle, den Schwierigkeiten innerhalb der Produktionskette und den Möglichkeiten Kleidung aufzuwerten. Als wir weiter plaudern über nachhaltiges Unternehmertum, der Absurdität des Überflüssigen auf dieser Messe und wie realistisch ein „gesunder“ Wandel sein könnte, stellen wir fest, dass wir mit unserem Business beide im Verband für nachhaltige Unternehmen bei dasselbe in grün e.V. sind. Ein Lachen, ein Freuen, schön dass man in dieser Masse doch etwas gemeinsam hat und bewegt. Im Verhältnis zu der gesamten Messe, mögen die 3Freunde hier auf diesem Stand vielleicht klein wirken; in dem was sie denken und umsetzen sind sie jedoch ganz groß.

Gestärkt von der Energie der nachhaltig fokussierten Unternehmen, die ich heute kennengelernt habe, lasse ich den Tag langsam ausklingen und mich zwischen neue Ideen und Erfindungen in Halle 13 weiter treiben. Besonders beeindrucken mich die Kärtchen und Heftchen aus Wolpertingers Warenhaus. Publiziert im Gute Gesellschaft Verlag, entwickelt die gleichnamige Agentur aus Düsseldorf unterhaltsame Printprodukte wie die „Lobkärtchen“ und das passende Buch „Vom Wert des Lobes“. Entschleunigung ist hier garantiert, so lese ich jede einzelne Karte wie Seite durch und möchte am Liebsten gleich alles ausprobieren.

Ausprobieren und mitmachen kann man wiederum am großen Stand von Moleskin in Halle 13. Und das ganz meditativ. „Wieviele Geschichten können aus einer Kiste mit 400 Wörtern geschrieben werden?“ Das will ich wissen und greife in die Kiste voller Worte. Diese beinhalten Stempel in allen erdenklichen Formen, Worten und Zeichen. Verzaubert und gleichzeitig für einen Moment in meinem Entscheidungsprozess überfordert, treffe ich schließlich nach ausführlichem Bestaunen eine Wahl, und stempele mein „Life Notebook“ in rot und lila. Wie es andere Unternehmen professionell machen, kann man nebenan in den Schaukästen erfahren. Vom Umschlag bis hin zu den Innenseiten kann man tatsächlich alles „branden“ was man möchte. Was für ein zauberhafter Abschluss!

 Bepackt mit nur einer Tasche, die mehr Infomaterial als Werbeartikeln beinhaltet, verlasse ich die Messe auf dem selben Weg, den ich gekommen bin, zurück zum Ausgangspunkt. Vorbei an den „Großen“, wo jetzt ausladende Partys mit Kunden und Kollegen veranstaltet werden. Man feiert den Abschluss eines erfolgreichen Tages, den Gewinn neuer Kunden und auch ein bisschen sich selbst, denke ich im Vorbeigehen. Soll jeder machen wie er meint, da mische ich mich gar nicht ein. Nur bewusster, das würde ich mir wünschen. Und dann würde sich eine Messe wie diese auch verändern und in der Form mit diesem Riesenangebot wohl nicht mehr geben. Wiederum spannend zu überlegen, was daraus Neues entstehen würde.

Alle Eindrücke der PSI habe ich fotografisch festgehalten und kann man hier anschauen.

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  1. […] Unternehmen (dasselbe in grün e.V). Vom Homeoffice zum Gemeinschaftsbüro gewechselt. Auf der PSI, der Fashion Week, der KarmaKonsum und der ökoRausch gewesen. Ganze 2 Monate Urlaub nehmen […]

  2. […] haben wollten. „Viele Kunden fragen sowas gerade nach“. Das macht Mut. Genauso ist es mit den schönen Beispiele die Dani Klütsch auf der PSI gefunden hat. Den Schock mit dem Plastik musste ich aber erst mal […]

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