Nach einem Mittagessen in der Bäckerei milchbubi, schlendern Martin Herrndorf und ich die Luxemburgerstrasse entlang und entdecken nicht weit entfernt den Kulturladen GREATLIVE. Auf der Ecke Moselstraße ziehen uns hübsche Dinge im Schaufenster und noch schönere Dinge im Laden magisch an. Von Longboards, über Upcycling-Möbel bis regional gefertigter Mode, zeigt sich im Kulturladen alles was einzigartig und selbstgemacht ist. Als nachhaltig aktive Kölner weckt der frisch eröffnete Laden samt Angebot natürlich unser Interesse und wir fragen nach. Ganz locker und offen erzählt uns Mitgründerin Nadine Matheka von der Entstehungsidee, dem renovierten Gebäude und der Besonderheit von GREATLIVE. Ganz klar: das ist unser 2. Ort in der Serie „nachhaltige Orte in Köln“.

Der Entstehung von GREATLIVE geht zurück auf die ursprüngliche Suche von Gründer Cem Yilmaz nach einem Büro in Köln. Dabei entdeckte er das 400 qm große Areal an der Luxemburgerstrasse und kam auf eine ganz andere, größere Idee. Hier sah er die Möglichkeit verschiedenste Bereiche, die ihn bisher in seiner Laufbahn als erfolgreicher DJ begleitet haben, zu vereinen und wieder zugeben. So entstand das Konzept für ein Kulturzentrum, mit Raum für Designer, Ticketshop, Eventfläche und natürlich Musik. Innerhalb von nur 4 Monaten renovierte er zusammen mit seinem Team den früheren Motorradladen. Alles wurde neu gemacht, bis auf die Decke und den Boden, ohne wirklich professionelle Hilfe: ausprobieren macht´s möglich! (Fotos davon findet man übrigens bei Facebook in den Alben „Work in progress“). Entstanden ist ein Concept-Store mit viel Gespür für Design und Herzlichkeit. Wie geplant startet GREATLIVE zu Anfang mit dem Verkauf verschiedenster Design-Produkte und Tickets, sowie ersten Veranstaltungen.

Vor Ort führt uns Nadine durch den Laden, erzählt uns Geschichten zu den Designern und ihren Produkten, zeigt uns die verschiedenen Bereiche und berichtet was in Zukunft noch alles anstehen wird. Die Verkaufsfläche ist so groß und variabel, so dass dort auch Events wie Lesungen und Partys stattfinden können. Darüber thronen zwei Büroräume, in denen das Team von GREATLIVE ungestört arbeiten kann, denn auch Buchhaltung und Eventplanung wird hier umgesetzt. Der Eingang wird umrahmt von einer mehr als großen Glas-Galerie, die im Frühjahr zu einem offenen Café umgebaut werden soll. Aktuell werden dort im Wechsel die Produkte der Designer ausgestellt. Das Areal des Kulturladens ist groß und vielseitig. Also genug Platz für viele Ideen: ein wahre Kulturoase!

Soviel Fläche bietet eben Raum für Veränderung. So könnte man GREATLIVE auch als „lebendigen Blog“ verstehen, erklärt uns Nadine. Das Konzept zeigt, hier soll ein lebendiger Ort entstehen für Designer und ihre Produkte, Menschen, Regionalität, Kultur, Musik und Nachhaltigkeit. Es ist gleichzeitig auch ein Experiment zunächst den ersten Schritt zu gehen, einen Ort zu schaffen und weiterzuwachsen mit dem was sich entwickelt. In der Form gestaltet sich bereits jetzt schon die Verkaufsfläche. GREATLIVE bietet Designern eine Fläche, um ihre Ideen und Produkte zu zeigen und zu verkaufen. Der Verkauf läuft über Kommission, so dass die Preise fair sind und auch Designer mit weniger oder handgefertigten Produkten eine Chance haben. Beispielsweise sind die Produkte von Laura Kampf, wie z.B. die Kofferlampen oder die Sitzkombi im Schaufenster, alle samt handgefertigte Unikate. Weitere Designer im Kulturladen  sind aktuell auch Stegerwald und Coloured by.

Stundenlang könnten wir Nadine weiter zu hören, uns ein Käffchen dazu holen und über Design, Gründung und das nachhaltige Köln plaudern… soviel gibt es hier zu entdecken und weiterzudenken. Auch das gehört zu dem Konzept von GREATLIVE dazu: Dinge geschehen lassen. Es gibt keine Schublade in die man den Kulturladen packen könnte, und das ist auch gut so. Martin und ich haben beide das Gefühl, dass hier noch viel passieren und bewegt wird. Für die nähere Zukunft ist ein regelmäßiger offener Sonntag geplant, bei dem auch die Designer anwesend sind und selbstgebackener Kuchen kredenzt wird. Ebenso stehen eine Lesung und weitere Partys an. Wer nichts davon verpassen will, der folgt GREATLIVE am Besten bei Facebook.

Für mich ist der Kulturladen GREATLIVE ein nachhaltiger Ort, weil hier das geboten wird was wirklich gebraucht wird. Designer bekommen einen Platz, den sie sich alleine so nicht leisten könnten, Konsumenten eine feine Auswahl an vorrangig regionalen Produkten und keine Massenware aus China, Kölner einen Ort an dem sie „sein“ können. Der bewusste Umgang mit dem was man hat und die Offenheit zuzulassen was sich entwickeln kann, macht für mich die Besonderheit dieses Ortes aus. Auch wenn wir dieses offene Konzept von Konsum in der Art noch nicht gewöhnt sind und der ein oder andere es vielleicht als rein idealistisch bezeichnen würde, glaube ich, dass langfristig nur so Konsum „gut“ funktionieren wird. Nämlich gemeinsam einen Ort zu schaffen.

Noch mehr über die Hintergründe des Kulturladens und die Motivation von Gründer Cem Yilmaz dazu, in der Herbstausgabe #5 von null22eins – das Kölner Kulturen Magazin auf Seite 30. Hier zum reinblättern bei issuu.


GREATLIVE
Cem Yilmaz
Luxemburger Str. 41-43
50673 Köln

 

Öffnungszeiten
Mo – Sa: 11 bis 19 Uhr

E-Mail:
Internet: www.greatlive.de
Facebook: www.facebook.com/Greatlive.de

3 Kommentare
  1. Martin Herrndorf sagte:

    Liebe Dani,

    Schön war’s!

    Spannend, wie in den Randbereichen Kultur, Design & Nachhaltigkeit verschmelzen. Wenn aus einem (fiesen) Motorradladen ein Ort der Kreativität wird, bei dem Ökomode & Upcycling vorne mit dabei sind ist das sicher „nachhaltig“, vielleicht „nachhaltiger“, als immer nur in der Nische zu bleiben. Trotzdem bleiben die Fragen – Ökostrom (für 400m2 ja schon ne Menge)? Fairtrade-Kaffee? Woher kommt das Holz? Ist es zertifiziert? Wir sollten da dranbleiben und weiter die kritischen Fragen stellen…

    Liebe Grüße,
    Martin

    Antworten
    • Daniela Klütsch sagte:

      Huhu Martin,

      stimmt, da geb ich Dir in allen Punkten Recht. Wir haben ja schon an dem Tag schwärmend festgestellt, dass der indirekte Weg und das „machen“ meist schneller zum Mainstream durchdringt als Nischen-Verhalten. Ich finde es großartig wie GREATLIVE diesen ersten Schritt so überzeugt und sorgenfrei geht. Im Weiteren wird sich zeigen, was daraus noch entstehen kann. Und eben auch wie fundiert hier Nachhaltigkeit gelebt wird (s. Ökostrom, Material, Mülltrennung, etc.). Noch ein Grund öfter dort vorbei zu schauen :-)

      Liebe Grüße zurück,
      Danni

      Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] 1. Ort: Zu Besuch bei Bäckerei Milchbubi 2. Ort: Stöbern im Kulturladen GREATLIVE […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.