Vergangenen Montag am 25. Juni fand zum 12ten Mal die Jahreskonferenz des Rates für nachhaltige Entwicklung (RNE) in Berlin statt. Diesmal sollten unter dem Motto „Wege Wissen Wirkungen“ Fragen wie „Ist Deutschland auf dem richtigen Weg?“ und „Wirkt die Nachhaltigkeitspolitik?“ im Haus der Kulturen diskutiert werden. Präsentes Thema war natürlich auch Rio+20 und die (mehr oder weniger) Ergebnisse des Weltklimagipfels. Mich persönlich lockte die Neugier zu dieser Konferenz sowie die Frage danach, wie Nachhaltigkeit auf höherer Ebene verstanden und behandelt wird.

Der Rat für nachhaltige Entwicklung wurde im April 2001 von der Bundesregierung ins Leben gerufen mit dem Ziel, unter der Leitung von 15 öffentlichen Personen das Thema Nachhaltigkeit für die Gesellschaft zugänglich und erlebbar zu machen. Im Wesentlichen geht es darum Maßnahmen, abgeleitet von einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, zu entwickeln und reale Projekte umzusetzen. Beispielsweise initiierte der RNE dieses Jahr am 4. Juni einen bundesweiten Aktionstag der Nachhaltigkeit, bei dem es einen Tag lang verschiedenste Aktionen zum mitmachen gab. Oder Projekte wie die Werkstatt N, die jedes Jahr 100 besonders nachhaltige und engagierte Ideen, Menschen, Unternehmen, Initiativen auszeichnet.
So weit so gut, der Nachhaltigkeitsrat war mir bereits ein Begriff, hatte ich mir vor einiger Zeit schon den Einkaufsratgeber „Der nachhaltige Warenkorb“ sowie die Publikation „Visionen 2050“ kostenlos bestellt. Guter richtiger Ansatz, aber was weiter dahinter steckt, konnte ich nicht klar greifen. Inwiefern ist der Rat für nachhaltige Entwicklung relevant für mich als Sozialunternehmer? Kommt man mit ihm wirklich in Kontakt, gerade weil man dasselbe Thema, die Nachhaltigkeit, teilt? Oder spielt der Rat in der oberen Liga und man selber sitzt nur auf der Ersatzbank? – Die 12. Jahreskonferenz des RNE war eine passende Möglichkeit für mich um dies heraus zu finden.

Das Programm ist straff, genau durchstrukturiert, pünktlich an diesem Montag in Berlin. Es erwarten uns 6 Stunden Vorträge von 9.15 Uhr bis 18 Uhr, mit Pausen dazwischen, aber ohne Interaktion. Höchsten bei den parallel laufenden Foren zu vier unterschiedlichen Themen, bei dem der Ein oder Andere Fragen stellt. Sonst ist zuhören angesagt. Das fällt mir eingangs zugegeben schwer, so dass mir fast die Augen zu fallen. Ich frage mich ob das ein Zeichnen des fehlenden morgendlichen Kaffees ist oder ob es an der Diskussion auf der Bühne liegt… positiv gestimmt schaffe ich es wach zu bleiben und für mich spannende Themen, wie zum Beispiel die Eindrücke zu Rio+20, zu notieren. Besonders eingehend finde ich den Vergleich, es wäre bei dem Gipfel kaum Spirit aufgekommen, jeder wäre für sich gewesen und meist in sein technisches Gerät, wie Smartphone oder Laptop, versunken. Die Assoziaton mit einem „Bloggertreffen“ und dem „Chaos Computer Club“ lässt mich schmunzeln… gerade weil es mit dieser Konferenz am heutigen Tag Aspekten soviel Ähnlichkeit hat. Heute hier vermisse ich tatsächlich die Möglichkeit, und auch Selbstverständlichkeit, Eindrücke der Konferenz live via Internet nach draußen zu übertragen. Kein klarer Wegweiser zu W-LAN und Hashtags, keine konstante Internetverbindung, keine flickr-Gruppe, kein zentraler Ort im www. Und doch geht die Gleichung von „erst ohne digitale ist eine menschliche Vernetzung möglich“ nicht auf (wenn man das mal so interpretieren darf), denn irgendwie ist hier auf der RNE Konferenz jeder für sich, macht sein Ding, guckt auf den Boden oder in die Luft wenn man ihn direkt anschaut und versteckt sich hinter seinem Namensschild. Von Vernetzung, egal in welcher Form, keine Spur aus meiner Sicht. Nun gut, vielleicht kommt das noch nach den Vorträgen. Ich bin gespannt.

Die Themen auf der Bühne interessieren mich, sprechen wichtige Inhalte aus und an, geben gute Impulse, bleiben für mich oft aber nur höhere Theorie und Wissenschaft. Meist schwebt in meinem Kopf immer die selbe Frage: „Und jetzt? Wer machts?“. Im Vergleich beispielsweise zur KarmaKonsum Konferenz fehlt mir hier der Unternehmergeist und das Machertum. Alles ist richtig was gesprochen wird, doch worauf warten wir? Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass diejenigen, die das umsetzen sollen und erleben werden was vorne auf der Bühne gesprochen wird, erst unsere Kinder sein werden… Das macht mich nervös. Pause und ein Walk durch die (Macher-)Projekte der Werkstatt N im Untergeschoss. Dann geht´s wieder.

Etwas praxisbezogener wird es dann in den vier Foren, die zu unterschiedlichen Themen parallel laufen. Ich bin im Forum 1 zum Thema „Kapitalbeschaffung für nachhaltiges Wirtschaften. Wie Nachhaltigkeit zur allgemeinen Orientierung der Kapitalmärkte wird“. Zugegeben, nicht mein Spezialgebiet, daher umso spannender sich darauf einzulassen. Auf dem Podium sitzt eine internationale Mischung aus Schweiz, Holland, Frankreich und Deutschland, welche den Zuhörern einen Einblick in globale Geschehnisse und Handlungen ermöglicht. Vorbild für die Integration von Nachhaltigkeit und dessen Messbarkeit in Unternehmen sind, laut Redner, unter anderem Australien und in Europa die UK. Generell stellt man fest, dass Nachhaltigkeit für Investoren ein ernsthafter und attraktiver Aspekt geworden ist. Wichtig für sie ist vor allem, dass diese Nachhaltigkeit nach außen nachvollziehbar und transparent gelebt wird und dass erfolgreiches Wirtschaften damit verbunden ist. Klar, jeder Investor möchte sein Risiko kennen. Fragt sich nur ob dies dann wichtiger ist als das ehrliche Interesse daran Nachhaltigkeit als solches zu fördern.

Auch die Pause kann mein Bild von man-bleibt-unter-sich nicht widerlegen. Entsprechend bleiben wir auch unter uns und stehen am „Kölner Tisch“, unter anderem mit Anu Beck vom betahaus Köln, Michael Schmidt vom FROH! Magazin und Oliver Adria von Faktor N. Auch altbekannte Gesichter treffen wir wieder, wie Christoph Harrach von KarmaKonsum, der am Nachmittag ein Bloggertreffen zur Konferenz veranstaltet und mit dem ich letztes Jahr Yogamob ausgebaut habe. Und wie das so ist unter Machern, können wir nicht still rumstehen, so dass Christoph kurzer Hand einen spontanen YogaMob 15 Minuten vor der Ansprache der Kanzlerin initiiert. Die Zeit ist knapp, das Publikum schwer zu überzeugen, aber doch am Ende stehen wir mit 15 Leute vor der Halle im Kreis und atmen zusammen tief ein und aus bei geschlossenen Augen. Alle lachen, machen ernsthaft mit, sind entspannt und bedanken sich zum Teil sogar… großartig, so mag ich das!

Die Ansprache der Kanzlerin ist tatsächlich aufregend irgendwie. Wie ein Teenie seinen Star anhimmelt, staune ich mit offenem Mund wie Angela Merkel unter Begleitung einer Scharr Bodyguards in den Saal geleitet wird. Auf der Bühne wirkt sie viel lockerer als ich gedacht hatte, sogar lustig ist sie. Ihre Rede ist professionell, ihr Auftreten routiniert. Und doch am Ende, als sie den Saal verlässt, fühle ich mich leer. Es waren zwar ermunternde, aber keine revolutionären Worte. Was habe ich erwartet? Wahrscheinlich genau das.

Mein Fazit?

Auch noch einen Tag danach, eine Nacht geschlafen, mit Anderen darüber ausgetauscht, fühle ich mich leer und nicht weiter inspiriert durch die Konferenz. Vielleicht bin ich auch zu pragmatisch und brauche etwas Handfestes, aber selbst in meinem Inneren hat sich kaum etwas bewegt, vor allem nicht mein Herz. Das macht mich so nachdenklich, dass ich daraus doch wieder etwas schöpfen kann, nämlich den Glauben daran, dass das, was ich und viele andere engagierte Akteure tun, richtig ist. Jeder geht seinen Weg und es ist durchaus gut und notwendig Impulsgeber zu haben, so wie auf der Jahreskonferenz des RNE. Doch genau so braucht man Menschen, die das umsetzen was andere nur denken. Ich weiß nun noch mehr wo mein Platz ist und was meine Aufgabe ist: machen!

 

 

7 Kommentare
  1. Gesa sagte:

    Hi Daniela,
    war schön Deinen Bericht zu lesen. Offensichtlich ein Paradebeispiel dafür, dass Nachhaltigkeits-Kommunikation immer noch von oben nach unten betrieben wird. Bürger nicht als Akteure sondern als Zuschauer und Beteiligt-Werdende. Schade, da waren doch offensichtlich viele fitte Leute im Publikum
    LG Gesa

    Antworten
    • daklue sagte:

      Hallo Gesa,

      vielen Dank für Dein sehr nettes Feedback. Es freut mich, dass ich mit dem eher kritischen Blick auf solch Zustimmung treffe. Auch die Akteure, mit denen ich da war, haben die Konferenz ähnlich empfunden. Auf der einen Seite ist das recht deprimierend. Auf der anderen Seite motiviert es wiederum die Dinge besser zu machen und sich noch aktiver zu engagieren. Vielleicht ist es dann eines Tages so, das die Pyramide kippt und Politik zum Zuschauer der Bürgerbeteiligung wird… :-)

      Liebe Grüße aus Köln
      Danni

      Antworten
  2. Raphael sagte:

    Ich recherchiere gerade nach einer Möglichkeit Blogger aus dem Bereich Nachhaltigkeit auf einer Messe oder Konferenz zu treffen. Da ich in Portugal lebe, sind solche Treffen für mich sehr wichtig. Denn virtuelle Vernetzung ist zwar OK, aber persönliche Kontakte sind noch wichtiger. Aber diese Sätze da animieren nicht gerade zum Besuchen: …Auch die Pause kann mein Bild von man-bleibt-unter-sich nicht widerlegen. Entsprechend bleiben wir auch unter uns und…

    Wie sehr ist denn die Konferenz zum Kontakteknüpfen zu anderen Bloggern wirklich geeignet?

    Viele Grüße aus Coimbra!
    Raphael

    Antworten
    • Daniela Klütsch sagte:

      Hallo Raphael,

      vielen Dank für Dein aufmerksames Feedback!

      Meine Eindrücke zu der Konferenz und eben auch mein Artikel sind bewusst persönlich geschrieben. Dabei ging es mir vorallem darum meinen persönlichen Eindruck zu vermitteln. Allerdings ist dies natürlich subjektiv und sollte Dich nicht vor einem Besuch abschrecken. Man muss ja immer beachten, wie man zu dem Thema Nachhaltigkeit steht und was man von solch einer Veranstaltung erwartet. Ich bereue in keinem Schritt dort gewesen zu sein, weil ich eine Menge zu dem Thema und wie ich dazu stehe gelernt habe. Das hat mir geholfen mich zu fokussieren.

      Um Kontakte zu knüpfen macht es Sinn sich vorher schon auf die Konferenz vorzubereiten und ggf. Termine mit Gästen/ Sprechern/ etc. auszumachen. Da der Tag sehr vollgepackt ist mit Programm, bleibt nicht soviel Zeit für längere Gespräche. Was ich Dir auf jeden Fall empfehlen kann ist an dem Bloggertreffen auf der Konferenz teilzunehmen. Dieses wird u.a. von Christoph Harrach organisiert und fand auch im letzten Jahr statt. Schau mal hier: http://www.karmakonsum.de/2012/06/26/bloggertreffen-der-jahrenskonferenz-des-rnes/

      Ich hoffe ich konnte Dir damit etwas weiterhelfen und Dich darin bestärken alles mitzunehmen, was sich Dir bietet, um ein Stück weiter zu wachsen.

      Viele Grüße,
      danni

      Antworten
  3. Raphael sagte:

    Hallo Daniela!
    Danke für die Antwort. Dann werde ich also versuchen meinen nächsten Berlinaufenthalt (der ohnehin für Frühling geplant ist) mit der Jahreskonferenz zu verknüpfen.
    Viele Grüße!
    Raphael

    Antworten
    • Daniela Klütsch sagte:

      Sehr schön, das freut mich. Ich werde dieses Jahr leider nicht mit dabei sein. Aber Du kannst ja mal bescheid geben wie es war und welche Eindrücke Du gesammelt hast. Würd mich interessieren was sich im Vergleich zu letzen Jahr verändert hat.

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