„Dieses Jahr schenken wir uns zu Weihnachten nur Selbstgemachtes!“ tönte ich euphorisch im Herbst 2011, als die alljährliche Frage nach dem was-schenken-wir-uns-am-Konsumfest aufkam, und wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht was meine Aussage tatsächlich auslösen würde. Die Lust am Kaufen von technischen Plastikgeräten und Kurzzeitartikeln war mir schon im letzten Jahr vergangen, so dass ich meine Augen nach Alternativen aufhielt. Einfach nur etwas basteln nach Anleitung der verstaubten Bastelbücher aus Kindertagen sollte es nicht sein. Schon etwas Besonders, etwas zum Staunen. Scheinbar war ich mit diesem Wunsch nicht alleine. Im Freundeskreis häuften sich die Beschäftigungen mit Stricknadel und Holzleim, jeder in dem Element in dem er sich wohl fühlte. Kein neues Phänomen, schon längst spricht man in Blogs und Presse von der neuen Lust am Selbermachen, Handarbeit 2.0, Handarbeit als das neue (alte) Genussmittel und Müll, der sich nützlich macht. Ob nun Alternativsuche, dem Wunsch nach etwas Selbstgemachten oder die Besinnung auf „alte“ Werte: Do-It-Yourself erobert unseren Alltag.

Und so kam es, dass an einem Tag im Herbst Freundin Christin, alias Frau Shizzle und überaus großes Talent in Sachen moderne Handarbeit, drei ihrer Freundinnen zum „Nähkurs für Anfänger“ zu sich nach Hause einlud. Die Küche verwandelte sich innerhalb von einer paar Stunden zum Nähatelier, Stühle verschwanden unter Stoffbahnen und männliche Anwesende wichen dem Bügelbrett. Während die selbstgebackenen Cupcakes zur späteren Belohnung im Kühlschrank warteten, stellten wir Stoff zusammen, skizzierten erste Muster und ließen uns von einer sehr geduldigen Frau Shizzle das Einmaleins des Nähens erklären. Unser erstes Objekt: ein Kissen. Jeder ein eigenes, von leicht bis schwer, aber allesamt sehr ehrgeizig. Das Ergebnis nach 4 Stunden an der Nähmaschine: ein heißgeliebtes Werk, das keiner von uns mehr hergeben wollte.

Nach diesem Kurs war ich bestärkt! Für das folgende Weihnachtsfest, und den ein oder anderen Geburtstag, wurde genäht, gehäkelt, geklebt und geflucht… Auch das bleibt leider nicht aus, besonders wenn man zu ungeduldig ist. Doch letztendlich ging es immer gut und das strahlende Gesicht des Beschenkten belohnte die fleißige Arbeit. So entstanden mit der Zeit mehr als nur ein Kissen und viele Gläser selbstgemachte süß-klebrige Rhabarbermarmelade, die über das Jahr verteilt immer wieder freudige Abnehmer fanden. Als ich mir diese DIY Sammlung so anschaute, kam er fast von alleine, der leuchtende Gedanke: das was ich kann, können andere auch!

Ja, und das war der Beginn dieser Geschichte und der Do-It-Yourself Familie. Bis zum heiligen Abend 2011 hatte nun jeder unsere Familie eine kleine Aufgabe (bekommen). Dafür wurde ich nicht immer gemocht und musste mir auch des Öfteren die Frage gefallen lassen „Wessen Idee war das eigentlich?“. Das am Ende ich diejenige mit dem meisten Stress sein würde, brachte im Nachhinein alle zum lachen. So verbrachte ich fast jeder freie Minute in öffentlichen Verkehrsmitteln, Wartezimmern und 20-Uhr-15-Filmen mit einem Knäuel Wolle und meiner Häkelnadel. Wieder mal sehr ehrgeizig: als der erste Stulpen fertig war, folgte der zweite, dann eine Mütze, dann Teeglaswärmer, dann Blumen, ja und dann war auch fast schon Weihnachten. Plätzchen backen schaffte ich nicht mehr. Dafür zauberte meine Schwester unfassbar und verboten leckere Pralinen. Dazu kreierten meine Mutter und ich dann selbstgemachtes Minzlikör, aus eigenem Minzanbau aus dem Garten. Doch das absolute Highlight, nach der vorweihnachtlichen Aufwärmphase, war dann Heiligabend selbst. Jeder von uns hatte sich an die Abmachung gehalten: alles selbstgemacht!

Meine Schwester hat es tatsächlich neben Fulltime-Job, Abendstudium und Hobby geschafft Stulpen selber zu häkeln. Man bemerke: das letzte Mal hatte sie ein Häkelnadel in der Grundschule in der Hand. Und das ist über 20 Jahre her. Fast vergessene Fotos wurden wieder entdeckt und in Lampen sowie Puzzle verwandelt. Aus einem alten wurde ein neuer Schal, aus einer einfachen Brosche ein individueller Hingucker. Auch Mamas Freund, der wie schon erwähnt öfter die besagte Frage nach dem Erfinder dieser Idee stellte, hat sich nicht verleiten lassen und etwas selber gebastelt. Nein, zu Nadel und Faden hat er nicht gegriffen, dafür wurde er zum Erfinder eines neuen Sportgerätes. Nach langem Überlegen ließ er sich von einer Heimwerker-Sendung im WDR inspirieren und bastelte aus einem alten Besenstiel, Stahlhaken und Expandergummi ein Dehn- und Muskelstärkungsgerät. Patentwürdig! Selten habe ich so eine lange Bescherung und so eine anhaltende Wertschätzung von Geschenken erlebt. Nicht oft genug konnten wir uns gegenseitig sagen, wie schön wir das (selbst)gemacht haben. Auch wenn über mich weiter gelacht wurde, da ich nicht alles geschafft hatte was ich mir vorgenommen…

Mittlerweile muss man gar nicht wirklich nach Anregungen für Selbstgemachtes suchen. Meist hat man schon eine Idee im Kopf, angestoßen von gesammelten Objekten, (eigentlich) Müll oder Materialresten aus dem Fundus der Eltern oder des Trödelmarktes. So oder so: das Ganze muss oft nur noch in Form gebracht werden. Dabei helfen Websites wie Handmade Kultur und WeUpcycle, bei denen man wunderbare Ideen und Anleitungen findet.

Und einen Tipp hab ich noch: fangt am besten jetzt schon an. Das nächste Weihnachten kommt schneller als man denkt!

1 Antwort
  1. klebefolie sagte:

    Vielen dank die Tipps, das sieht super aus. Ich gib mir wirklich große Mühe Dinge wieder zu verwenden anstatt sie wegzuschmeißen. Habe schon einige schöne Sachen daraus machen können.

    Gruß Anna

    Antworten

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