Einmal im Monat freue ich mich über eine Einladung über Facebook zum Nachtflohmarkt „nachtkonsum“ in Köln. Da wird die Sammellust geweckt und das Trödelherz aktiviert. Aber auch gerade deshalb, weil ich die Idee und die Art des „nachtkonsum“ mag, trödeln zum Erlebnis zu machen mit viel entspannter Zeit, Live-Musik und Kaltgetränken in der urbanen Umgebung von Ehrenfeld. Bisher nie selbst geschafft und von den Berichten anderer mitreißen lassen. Doch den 20. August halte ich mir frei, ist im Kalender markiert und ganz oben auf der Prioliste. Wer weiß wie lang der Sommer noch anhält und das „Sommer Spezial mit großem Außengelände und Live-Musik“ stattfindet.

An dem besagten 20. August trudele ich fast pünktlich, also eine Stunde nach Toröffnung, um 18 Uhr ein, langsam in allen Bewegungen, da es nach wie vor wahnsinnig warm ist. Endlich, Sommer! Mit mir verteilt sich eine angenehme Zahl an Menschen auf dem Außengelände von „Jack-in-the-Box“, dem im ehemaligen Güterbahnhof in Köln Ehrenfeld. Kein Gedränge oder Geschubse, so dass jeder ganz in Ruhe sich ungehindert in den Ständen der Trödler verlieren kann. Die Stimmung ist entspannt, wie im Sommerurlaub. Man sitzt im Schatten bei kühlen Weißwein oder schlendert mit Lemonaid über das partiell freigelegte Kopfsteinpflaster. Sonnenbrille und Strohhut dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Das Publikum ist gemischt: von coolen Menschen aus Ehrenfeld, Familien mit Kindern, passionierten Sammlern (erkennt man am gezielten Griff), verliebte Pärchen und Freunden, die sich einfach zum Treffen treffen. Im Hintergrund rauscht die Musik der Live-Band. Käufer wie Verkäufer wippen, ohne es zu merken, gemeinsam im Takt.

Egal ob auf dem Außengeländen oder in der Halle: als Verkäufer kann das trödeln an dem Tag wohl kaum entspannter sein. Draußen lehnen sie sich entspannt zurück hinter ihren „Verkaufstresen“. Drinnen genießen sie die Abkühlung. Ich schließe mich dem an und wechsle je nach Lust und Laune die Location. Egal wo: Das Angebot ist vielseitig. Anfangs sogar so sehr, dass ich meine Augen darauf schärfen muss und erst in Runde zwei vom Eingang aus den Blick für das Besondere eingerichtet hab. Ich entdecke schicke und echt gut erhaltene Klamotten, 50er Sonnenbrillen, Sammlerstücke wie Vasen aus Kristallglas, Rockabilly Schuhe, Kartons voller Handtaschen, eine feine Auswahl an Büchern und DVDs, Kinderspielzeug mit dem ich vor 25 Jahren schon gespielt hab und zwischendurch immer mal wieder Selbstgemachtes wie Täschchen und Schmuck. Nach Runde drei erstehe ich insgesamt eine grünes, schnuckeliges Oberteil mit rosa Blümchen (ehemals Lieblingsoberteil der Vorbesitzerin), ein Winter-Outfit für Kleinkinder inklusive Schuhe (Sohn Linus sah darin ganz bezaubernd aus: Handyfoto vom Papa am Stand beweist es) und ein Buch von Charlotte Link das ich schon immer mal lesen wollte. Je mehr ich durch die Gänge schlendere, desto mehr Kostbarkeiten entdecke ich. Die Liste der Dinge, die ich auf einmal brauchen könnte, oder vermeintlich schon immer haben wollte, wächst ins nicht mehr Nachvollziehbare. Mit meinen drei Funden sollte ich jetzt erstmal zufrieden sein. So. Außerdem reizt mich der Gedanke statt zu shoppen, shoppen zu lassen und die Seiten zu tauschen. Trödel verkaufen könnte kaum entspannter sein als hier.

Die relaxte Stimmung zwischen dem Trödel lädt zum Verweilen ein. Die warmen Sonnenstrahlen steuern ihr Nötigstes dazu. Auch verhungern werde ich hier nicht. So muss ich mich nur zwischen duftenden Pommes und süßen oder herzhaften Crepes entscheiden. Die Wahl fällt auf herzhaft mit Tomate im Schatten. Von hier aus kann man wunderbar und ungestört Trödel beobachten und persönliche Forschungen über das Verhalten bestimmter Trödlergruppen anstellen. Zum Beispiel schafft es das Phänomen Trödel, dass große Jungs zu kleinen werden, alleine durch den Anblick eines Roboters aus Kindertagen (weiß Gott wie das Ding hieß… Jungsspielzeug eben). Auch ich hab mich dabei ertappt wie ich laut mit mir selbst redend und jubelnd eine Bärenfigur samt dazu passendem Mobiliar anhimmele. Mit leicht erhöhter Stimme und kindlichem Lächeln brabbele ich zur Verkäuferin: „Mit denen  hab ICH ja schon früher gespielt. Und gesammelt hab ich die auch. Da gab´s doch auch diese tollen, feinen Kleider… oder Küche für das Bärchenhaus!“ Statt mich irritiert anzustarren, strahlt sie mir ebenso begeistert entgegen und steigt, ohne zu zögern, in mein fröhliches Sing Sang mit ein. Die Verkaufsstimmung hier ist so ganz anders als im üblichen Geschäft. Kein Zwang etwas kaufen zu müssen, kein Drang etwas loszuwerden. Zu jedem „Produkt“ gibt es eine persönliche Geschichte kostenlos dazu. Es ist fast so als erhielte es dadurch eine „Seele“, die es zu etwas Besonderem macht. So bewahre ich, als nur einer der vielen Käufer, das Besondere meiner drei Schnäppchen und verlängere ihr Leben um ein paar weitere Jahre. Ganz nach dem Motto: „Trödel Dich glücklich“.

Mehr zum Nachtkonsum:
Einen guten Eindruck vom gesamten Nachtflohmarkt vermitteln die Fotos von nachtkonsum. Über den nächsten nachtkonsum in Köln, und auch München, könnt ihr Euch auf der Website oder bei Facebook informieren.

2 Kommentare

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  1. […] wartet bestimmt ein neuer Besitzer auf das ein-oder-andere Schmuckstück. Nach besten Erfahrungen auf dem Nachtflohmarkt, starte ich dieses Jahr einen weiteren Anlauf. Diesmal mit noch mehr Sommerstoff und […]

  2. […] tagsüber statt. Das macht das verkaufen sehr entspannt und lockt vorallem junges Publikum an. Hier trödelt sich jeder glücklich! Ein Tipp: für drinnen möglichst früh reservieren! […]

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