Weit oben versteckt im Kirschbaum des Nachbarn sitzen, heimlich Kirschen naschen und die Kerne in den Garten spucken. Eine freudige Erinnerung aus Kindheitstagen. Geht aber auch in der Gegenwart, ganz offiziell und ohne Nachbarn. Denn was viele nicht wissen: über ganz Deutschland verteilt gibt es einige, öffentlich zugängliche, freie Obstwiesen. Auf der Website von Mundraub werden diese gesammelt und auf einer übersichtlichen Google-Maps gezeigt. Von Apfel-, Aprikosen-, Birnen-, Kirsch-, Maulbeer-, Mirabellen-, Pflaumen-, Quitten- und Zwetschgenbäumen, findet man dort auch Einträge von Beeren, Kräutern und Nüssen. Neue Fundorte eintragen kann jeder, der freies Obst entdeckt hat. Kostenlos. Die Macher von Mundraub prüfen jedoch jeden Eintrag vor der Veröffentlichung genau, um den Raub an privatem Obst (wie zum Beispiel das des Nachbarn) zu vermeiden.

Ziel der Aktion ist nicht die Völlerein im Obstgarten und die Ausbeutung der Natur, sondern viel mehr die Bäume im Blick zu haben und zu pflegen. Darüber hinaus aber auch dem globalen Obstverzehr entgegen wirken. Warum Äpfel und Birnen importieren, wenn diese frei zugänglich in der ganzen Republik wachsen? Denn es ist ja nicht so als seien diese freien Obstflächen abgeerntet und leer gefegt. Pflücken gewünscht! Anfangs gab es einen Fundort Schwerpunkt im Nord-Osten Deutschlands, dank der preußischen Vorliebe Obstbäume entlang von Straßen zu pflanzen. Mittlerweile zeichnet sich durch die Obstbäume fast die gesamte Karte Deutschlands ab. Deutschland ein Obstland.

Es macht Spaß auf der Karte von Mundraub freies Obst zu suchen, ganz wie gratis shoppen im Obstladen um die Ecke. Ich war etwas erstaunt, dass die beiden gratis Obstwiesen, die ich aus meinem Heimatort kenne, dort (noch) nicht eingetragen sind.  Dabei weiß ich von ihnen nun schon länger, da dort bereits meine Mutter mit Nachbarin (die ohne Kirschbaum) vor etwa 10 Jahren Mirabellen und Birnen gepflückt haben. Stolz kann ich diesen beiden Wiesen nun einen öffentlichen Platz geben und sie vor einem einsamen Lebensabend bewahren. Im Juli werde ich dort ganz bestimmt mal hinradeln und den Radkorb voller Kirschen packen.

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