Vergangenen Mittwoch wurde ich von Martin Herrndorf wieder einmal zu einer spannenden Veranstaltung in Köln mit den Worten „hier ist momentan „Gärtnern“ als Thema riesig“ eingeladen und konnte nicht widerstehen. Ähnlich wie bei der Podiumsdiskussion „Nachhaltig aktiv in Köln“ machte ich mich gespannt auf den Weg von Düsseldorf nach Köln. Um 19 Uhr öffnete das Design Quartier Ehrenfeld seine Pforten für die Ideenwerkstatt zur „Transition Town Köln Initiative“. Ganz ehrlich? Den Begriff „Transition Town“ habe ich so vorher noch nie gehört. Übergang, ok. Aber was macht eine Initiative daraus in einer Großstadt wie Köln? Der Introfilm an dem Abend bringt es verständlich und anschaulich auf den Punkt.

Wem der 50-minütige Film doch zu lang ist (auch wenn ich ihn wärmstens empfehlen kann), hier die Idee hinter der Transition Town Bewegung kurz in eigenen Worten zusammengefasst:

Die Gründung der recht jungen Bewegung geht zurück auf das Jahr 2006 in Irland. Gründungsvater Rob Hopkins (Spezialist für Permakultur) knüpft an bisher existierende Umweltphilosophien, wie z.B. dem Eco-Communalism (zu deutsch Öko-Kommunalismus), der unter anderem Werte wie Umweltschutz, eine direkte Demokratie und autarkes Handeln in einer Gemeinde beschreibt. Ausgehend von der Tatsache, dass unsere Rohstoffe nahezu ausgeschöpft sind, beschreibt die Grundidee der Transition Bewegung den Übergang zu einem „einfachen Leben“, in dem Regionalwirtschaft und Selbstversorgung eine wichtige Rolle spielen. „Unser Maß für ökonomischen Erfolg, Wohlbefinden und Status, zeigt einen direkten Verbrauch zu unserem Erdölverbrauch. Wir haben heute eine derartige Erdölabhänigkeit erreicht, dass sie unsere Hauptverwundbarkeit geworden ist.“ so Rob Hopkins in dem Dokumentarfilm „Voices of the Transition“ von Nils Aguilar.

Die Umsetzung eines Wandels lässt sich am Besten dort umsetzen, wo die Menschen direkt betroffen sind. Genau darin, finde ich, liegt auch der Erfolg der Transition Town Bewegung. Menschen aus einer Stadt oder Gemeinde treffen sich, rücken näher zusammen und entwickeln Ideen für ihren Ort. Mag sich erst mal klein anhören, doch ist die Anzahl der Transition Towns in den vergangen 5 Jahren seit der Gründung auf 350 Gemeinden gestiegen. (Stand März 2011, Quelle: Wikipedia). Und die Verbreitung der Idee so mit auch. Damit verbreitet sich die Idee eines nachhaltigen Wandels wie flächendeckendes Netz und gewinnt mehr und mehr an Kraft.

Hört sich immer noch zu theoretisch an? Richtig erständlich wird es wahrscheinlich erst dann, wenn man es erlebbar macht. So ging es zumindest mir, als wir in der Ideenwerkstatt letzte Woche nach dem Introfilm zu der Umsetzung unserer eigenen Ideen wechselten. In offener Runde wurde ebenso so offen über Visionen, Ideen, Wünsche und a-better-place in der Stadt Köln diskutiert. Die Liste der Ideen auf der Leinwand wurde immern länger. Die Motivation der Beteiligten immer stärker. Lediglich die Zeit stoppte die Sammlung und lies uns in Gruppen bestimmte Ideen weiter ausarbeiten. Und das sehr konkret: Wer macht mit? Was soll im ersten Monat passieren? Was nach drei Monaten? Am Ende wurden alle ausgefeilten Projekte in der Runde besprochen und nach Umsetzbarkeit überprüft. Wie realistisch ist es, dass dieses Projekt auch umgesetzt werden kann? Eine berichtigte Frage, so ist doch Ziel von Transition Town nicht nur zu reden sondern zu handeln. Kleine Schritte, nach und nach.
Daher ist und bleibt Bewegung in dieser mittlerweile weltweiten Initiative. Engagierte und offene Menschen, einfache Organisationsformen und ein starker, gemeinsamer Gedanke treiben volle Kraft voraus. Und heißen jeden willkommen, der mitmachen will. Egal wo.

Die Transition Town Köln Initiative zum Beispiel ist bereits sehr aktiv. Unter anderem in den Bereichen Ernährung & Pflanzen, Energie und Wirtschaft. Bereits zum 3. Mal in diesem Jahr ist die Balkonkarawane bereits ausgerückt. Idee dabei ist, dass öde Balkone/ Terrassen/ Gärten in Köln von einem engagierten, freiwilligen Team begrünt werden. In welcher Form und welchem Ausmaß wird vorher mit dem (bald ergrünten) Besitzer abgesprochen. Aktuell ist die nächste Balkonkarawane in Planung und sucht noch interessierte Freiflächen. Mehr über die Transition Town Köln Initiative erfährt man auf der offiziellen Website der Initiativen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter den Gruppen (Köln). Außerdem in dem bildhaften Blog, in dem unter anderen über aktuelle Termine und vergangene Events berichten wird. Immer auf dem neusten Stand bleibt man auch über die Facebook Gruppe der Kölner Initiative.

Wenn Köln nicht Eure Stadt ist, dann kann man auf der Website der Transition Town Initiativen auch bereits bestehende Gruppen in einer anderen Stadt/Gemeinde/Region in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden und sich anschließen. Oder einfach eine neue gründen, wenn noch keine vorhanden sein sollte. Die Website bietet eine bestens geeignete Struktur zum Austausch und Vernetzen, ganz im Stil à la Facebook (mit Pinnwand, Postfach und „Gefällt mir“).

Vielleicht sieht man sich demnächst in Köln. Oder auf einem (noch) grauen Balkon :-)

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  1. […] mit seinem Vortrag über die Transition Town Initiativen in Deutschland. Als Frischling bei der Transition Town Initiative Köln will ich mir seinen Vortrag natürlich nicht entgehen lassen und freue mich auf seine Erfahrungen […]

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