Der Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf ist längst nicht mehr nur den ländlichen Gefilden vorbehalten. Mit grünen Projekten wie den Prinzessinnengärten hält die urbane Landwirtschaft Einzug in die Städte. In Berlin Kreuzberg breiten sich seit nun schon fast 3 Jahren auf einem Areal von 6000 qm die Grünanlagen der Prinzessinnengärten aus. Angebaut werden dort verschiedenste Gemüse in Bio-Qualität, mit Fokus darauf besonders alte und seltene Sorten im Sinne der biologischen Vielfalt zu fördern. Anders als in klassischen Schrebergärten auf dem Land, sprießen hier Salate, Gewürze und Tomaten aus freistehenden Einkaufskörben, abgeschnittenen Milchtüten und alten Tonnen. Die Idee der Gründer Robert Shaw und Marco Clausen dahinter ist, mobil zu bleiben und bei einem (leider möglichen) Verkauf des Grundstückes schnell umziehen zu können. Gleichzeitig lösen sie sich damit von der Abhängigkeit bestimmter Orten und ermöglichen ein schnelles, direktes Begrünen der Stadt, egal wo.

Aber nicht nur der Anbau von frischem Gemüsen als solches steht im Vordergrund, sondern auch die beteiligten Menschen an diesem Projekt. Raus aus der isolierten Gartenparzelle im Schrebergartenparadies, wird hier gemeinsam gepflanzt und geerntet. Prinzessinnengärten versteht sich als „alternatives städtisches Grün“, das die Nachbarschaft des Viertels aktiv in den sozialen Prozess des Gärtnerns miteinbezieht. Das Areal hat sich längst zu einem Garten der Kulturen entwickelt. Jung trifft auf alt, New York auf Anatolien, Hobbygärtner auf Biobauer. Aus diesem Aufeinandertreffen der unterschiedlichsten Menschen, entsteht ein Quell an Wissen und Inspiration für neue Ideen. So sind die Prinzessinnengärten auch zu einer Plattform für Wissen und Bildung in den Bereichen Umweltschutz, Biodiversität, Gesundheitsfürsorge, Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung geworden. Neben der “Gartensprechstunde“, zahlreichen Bildungs- und Kulturangeboten wird es dieses Jahr ebenfalls spannende Workshops zu verschiedenen Themen geben.

Die Tore der Prinzessinnengärten sind für jeden täglich von 8 bis 22 Uhr geöffnet. Man kann selbst entscheiden ob man das frische Gemüse nur kaufen und direkt mitgärtnern möchte. In diesem Fall bekommt man das Gemüse, nach einer Mitarbeit von mindestens einer halben Stunde am Tag, zu einem günstigeren Preis. Günster als im Discounter! Ein großartiges Argument für Bio-Gemüse, finde ich. Willkommen sind natürlich auch all jene Gäste, die sich einfach mal in der Kreuzberger Oase erholen und die frische Ernte im Café vor Ort verkosten möchten. Für alle, die neugierig geworden sind: die diesjährige Gartensaison der Prinzessinnengärten wird am kommenden Sonntag den 15. Mai eröffnet.

Als Landei bin (glücklicherweise) noch mit Gemüse im Garten und Eingemachtem im Keller groß geworden. Letzteres nicht immer zur besonderen Freude im Kindesalter… Ich hab schnell verstanden, dass alles aus der Erde seinen eigenes Tempo hat und dass selbstangebaute Tomaten so viel besser schmecken als die aus Holland. Auch wenn meine Schwester und ich die mühselige Ernte unserer Mutter, in Form von zum Beispiel Rhabarberkuchen, damals nicht immer angemessen wertschätzen konnten, können wir es heute. Diese Verbindung zur Natur aus Kindheitstagen trägt man in sich, fest verwurzelt. Mit Gummistiefeln an den Füßen und Sonnenhut auf dem Kopf, schmerzlich gebückt im Gemüsebeet grabend, gleiche ich mehr und mehr meiner Mutter im Alter von 30. Zwar muss ich darüber lachen, aber macht es mich auch glücklich diesen familiären Kreis zu schließen und den alten Spuren zu folgen. Und ganz nebenbei: Rhabarber kann soooo lecker sein!

Weitere Pressestimmen
Einen ausführlichen Bericht über die urbanen Gärten („Und der Beton blüht“) gibt es in der aktuellen Ausgabe (05/11) von Schrot & Korn. Und auch die ZEIT entdeckt „Der Garten als Marke“ am Beispiel der Prinzessinnengärten.

© Fotos: Marco Clausen / nomadisch grün

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  1. […] Sprich: die Form der isolierten Schrebergärten wandelt sich hin zu Gemeinschaftsgärten (à la Prinzessinnengärten in Berlin Kreuzberg) und sozialem Miteinander vor der eigenen Haustür. In unserer Gesellschaft […]

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