Vom Modeprotest zur Lieblingsgarderobe

Ist denn schon Ostern? Schon lange! Und damit auch das Ende der Modeprotest-Aktion, bei der alle Teilnehmer ihre Kleidungsstücke auf das Nötigste beschränkt haben für 7 Wochen Fastenzeit. Mit 63 Teilen war ich dabei, doch richtig aufhören mit dem „fasten“ möchte ich nicht so wirklich. Auf mich wartet ein voll bepackter Kleiderschrank, dessen Inhalt jetzt wieder ans Tageslicht möchte. Statt mich über mehr und „neue“ Kleidung zu freuen, erdrückt mich die Vielzahl und die Auswahlmöglichkeiten… so habe ich meine Protestgarderobe in der letzten Zeit doch sehr lieb gewonnen. Es ist eine Wohltat morgens schon zu wissen was man tragen kann und sich nicht mehr zwischen türkis, petrol, hellblau oder doch pastellblau entscheiden zu müssen. Jede Wäsche war wie Shopping und das Wohlbefinden in keiner Minute getrübt, nur weil weniger Stoff zur Verfügung war. Fest steht: ich will nicht mehr so viel haben! Daher wird heute ausgemistet, bevor der Schrank wieder neu sortiert wird.

Bevor beim Ausmisten dann doch alles wieder in einem Schrank landet, gehe ich ganz systematisch vor: es gibt eine Kiste für den Trödelmarkt, eine für wohltätige Stationen, eine daraus-näh-ich-was-neues-kiste und eine für wirklichen „Müll“. Denn in der Fastenzeit gingen auch ein paar Kleidungsstücke kaputt oder wurden so abgenutzt, dass es sich nicht mehr lohnte diese zu reparieren. Der Griff am Reißverschluss der Winterjacke brach ab, so dass ich mich mit einer Sicherheitsnadel behelfen musste: ein neues Mode-Accessoire wurde geschaffen! Auch die bereits geflickte H&M-Leggins hat ein weiteres Loch bekommen. Ein Grund sie endgültig in die Nähkiste zu befördern. An deren Stelle gönne ich mir eine Neue von American Apparel. Die Schuhe sind ganz schön runtergelaufen und kommen nun zum Schuster. Und alles was nur nice-to-have ist kommt nun endgültig weg. Bei der Gelegenheit packe ich direkt die nicht mehr gelesene Bücher und Haushaltsgeräte zusammen.

Wohin mit dem „Aussortierten“?

Neben diversen Trödelmärkten, gibt es in Köln noch weitere Stationen, bei denen man seine aussortierten Sachen, von Mode über Bücher bis Hausrat abgeben kann. Ein paar davon habe ich hier mal zusammen gestellt:

Flohmarkt in Nippes

Jeden 3. Sonntag im Monat findet der Flohmarkt in Nippes auf dem Wilhelmplatz statt. Das Publikum ist gut durchmischt: so lassen sich viele verschiedene Dinge gut verkaufen, und auch finden.
www.coelln-konzept.de/markt/nippes.html

Nachtflohmarkt in Jack in the Box

Trödeln mal anders: der Nachflohmarkt findet, wie der Name schon verrät, am Abend statt tagsüber statt. Das macht das verkaufen sehr entspannt und lockt vorallem junges Publikum an. Hier trödelt sich jeder glücklich! Ein Tipp: für drinnen möglichst früh reservieren!
www.nachtkonsum.com/koeln

Flohmarkt in der alten Feuerwache

In besonders schöner Atmosphäre, trödelt es sich beim Flohmarkt in der alten Feuerwache. Selber war ich noch nicht dabei, werde es dieses Jahr aber auf jeden Fall ausprobieren, sofern sich das Wetter hält…
www.altefeuerwachekoeln.de/flohmaerkte.php

Kölner Umsonstladen

Der Kölner Umsonstladen bietet auf 35 qm im Bürgerhaus MüTZe feine ausgewählte Dinge. Hier kann man am Besten maximal 5 guterhaltene Teile vorbeibringen.

Öffnungszeiten:
Mi: 15.00 – 17.00 Uhr
Do: 17.00 – 19.00 Uhr
Fr: 17.00 – 19.00 Uhr

Berliner Straße 77
51063 Köln-Mülheim
www.umsonstladen-koeln.de

“De Flo” – Gebrauchtmöbel und Hausrat

Bei „De Flo“ in Nippes, dem Verbund gemeinnütziger Kölner Möbellager e.V., kann man vorallem Gebrauchtmöbel und Hausrat abgeben; gerne gegen Tausch.

Öffnungszeiten:
Mo bis Mi: 9.30 – 12.30 Uhr und 13.00 – 16.30 Uhr
Do: 9.30 – 12.30 Uhr und 13.00 – 19.00Uhr
Fr: 9.30 – 12.00 Uhr

Florastraße 114-122
50733 Köln-Nippes
www.koelns-zweite-hand.de

Oxfam-Shop

Die Oxfam-Shops sind „Secondhand-Laden der besonderen Art für Schnäppchenjäger und Weltverbesserer“ und werden ehrenamtlich betrieben. In Deutschland gibt es zahlreiche, in Köln einen in der Südstadt und einen beim Friesenplatz.

Friesenplatz 15
50672 Köln-Friesenplatz
UND
Bonner Straße 45
50677 Köln-Südstadt
www.oxfam.de/shops

 

Über Modeprotest: Die Kampagne möchte eine Protest-Bewegung auslösen, die Einzelpersonen befähigt, ihren Gewohnheitskonsum umzustellen. Dabei setzt Modeprotest auf Selbstbeteiligung. Statt auf Siegel und Zertifikate zu vertrauen, werden die Teilnehmer dazu ermutigt, Einkäufe zu reflektieren und eigene Standards zu entwickeln. Weniger zu konsumieren ist das vorrangige Ziel von Modeprotest, ist dies doch ein relevanter Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig gilt es aber auch auf hohe Produktionsstandards zu achten und entsprechend hergestellte Produkte zu bevorzugen. Neben kleineren Aktionen, die zu bewusstem Konsum aufrufen, entwickelt das Team von Modeprotest die Protestgarderobe – ein individualisierter Einheitslook als radikales, idealisiertes Protestoutfit und Beispiel einer perfekten Modeindustrie.

Mehr Infos über die Aktion findet ihr auch hier:
www.modeprotest.de
www.facebook.com/Modeprotest

 

6 Kommentare für “Vom Modeprotest zur Lieblingsgarderobe”

  1. Meinshausen

    Die Freie Evangelische Gemeinde „Brot des Lebens“ hat in der Wilhelm-Ruppert- Straße 38 (Tor E 96) ein Sozialkaufhaus eröffnet. Hier kann jeder für wenig Geld eine Couchgarnitur oder einen Esstisch mitsamt der dazugehörigen Stühle ergattern.

    Aber auch Spielsachen oder Kleider, Kühlschränke oder Betten sind im Angebot. Die Sachen wurden alle gespendet, stammen aus Haushaltsauflösungen oder wurden einfach nicht mehr gebraucht. Wenn jemand etwas zu spenden hat, kann er sich unter Telefon 02203/ 9590180 an die ehrenamtlichen Verkäufer wenden. Sie holen auch Möbel ab. Der Erlös aus dem Verkauf der Waren fließt in die sozialen Projekte der Gemeinde. Dazu gehören ein Hilfsprojekt für Drogenabhängige, und auch ein Krankenhaus im Kongo wird von Wahn aus unterstützt.

  2. Meinshausen

    Am Donnerstag, den 16. Dezember 2010, eröffnete der fairstore an der Sechzigstraße 5-11 in Köln-Nippes um 10 Uhr seine Türen. Es gibt Viele Angebote. Auf 360 Quadratmeter Verkaufsfläche werden neue und gebrauchte Damen-, Herren-, Kinderbekleidung, Schuhe, Haushaltswaren, Bücher, Spiele und Kinderspielzeug angeboten. Verkauft werden Markenartikel aus Firmen- und Privatspenden wie aus Restposten. „Der fairstore bietet hochwertige Produkte, die auch mit kleinem Geldbeutel bezahlbar sind. Jeder Kunde ist willkommen. Menschen mit geringem Einkommen können unsere „faircard 30“ beantragen und erhalten bis zu 30 Prozent Rabatt auf die schon günstigen Preise“, sagt Frank Gottwald. Es ist die zweite Filiale eines „Sozialkaufhauses“ der Diakonie Michaelshoven.

    Öffnungszeiten Fairstore Nippes: montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von bis 15 Uhr.

  3. Daniela Klütsch

    Vielen lieben Dank für die Tipps! Im fairstore in Nippes war ich auch schonmal. Ist ja quasi bei mir um die Ecke. Das mit der faircard war mir neu. Ein sehr schöne „faire“ Idee. 🙂

  4. Annette

    Vielen Dank für die tollen Tipps!
    Ich habe eine Frage, die mich schon lange beschäftigt: Wo finde ich einen Abnehmer für Kleidung und Stoffe, die zu abgewetzt zum Weitergeben an Sozialkaufhäuser und Einrichtungen wie Emmaus sind, weil die sie nicht mehr verkaufen können? Hemden mit abgeschabten Manschetten, T-Shirts mit Löchern und und und.
    Früher gab es den klassischen Lumpensammler, und die alten Stoffsachen landeten im Papier oder in Putzlumpen. Und heute? Wer weiß Rat? Weiterverwendungsmöglichkeiten im Haushalt als Schuhputzlappen und Kindermalkittel kenne und nutze ich längst. Aber sooo viel brauchen wir auch nicht, und es würde einfach gut tun zu wissen, dass die alten Fasern nicht in der Müllverbrennung landen, sondern noch irgendwie genutzt werden.

  5. Daniela Klütsch

    Hallo Annette,

    Danke Dir für Deine genaue und detaillierte (Nach)frage!

    Genau daraus, aus den persönlichen Fragen und Nöten, entstehen oft erst neue und kreative Ideen. Neben trödeln, swapping („tauschen“) und up-cycling, erkennen mittlerweile auch Unternehmen den Wert und das Potential von gebrauchten Stoffen und Kleidungsresten. Das junge Unternehmen Globe Hope aus Finnland beispielsweise, verwendet u.a. gebrauchte Arbeitskleidung im großen Stil – von Finnair oder der Bundeswehr – wertet diese auf und näht daraus neue, sehr smarte Kleidung, Accessoires und Schuhe. Anfang des Jahres habe ich die Geschäftsführerin und ihr Team auf der PSI in Düsseldorf und dann später auf der Ethical Fashion Show in Berlin kennengelernt. Aus meiner Sicht ist das eine sehr sinnvolle und kreative Antwort darauf, was man mit Kleidungsresten wie Du sie beschreibst machen kann. Vielleicht ist Globe Hope aber auch eine Motivation dafür eigene Lösungen zu finden, für die es so noch keine Lösung gibt. Ich bin mir ganz sicher, dass es für alles was man nicht mehr braucht andere Menschen gibt, die es brauchen können. Und dank diverser Gruppen bei Facebook und nachhaltig aktiven Netzwerken (wie z.B. Colabor – Raum für Nachhaltigkeit, Dingfabrik oder Kleiderkreisel) könnte man hier schonmal anfangen.

    Ich hoffe das hilft Dir für´s erste weiter. Gerne können wir dazu im Austausch bleiben und ich mich für Dich im Raum Köln/Düsseldorf genauer umhören 🙂

    Viele Grüße und einen guten Start in die Woche,
    Daniela

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