Modeprotest – mit 63 Kleidungsstücken in 7 Wochen

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Bis auf die Fastenzeit, die fängt gerade erst an. Zu dem Anlass startete am 13. Februar 2013 der „Modeprotest“, eine Kampagne ganz im Sinne von Slow-Fashion. Die Aktion ruft dazu auf über einen festgelegten Zeitraum, in diesem Fall 7 Wochen, die eigene Garderobe auf ein Minimum von 50 Kleidungsstücken zu reduzieren. Dabei geht es nicht um Selbstgeißelung, sondern viel mehr um das Experiment herauszufinden, wie viel Kleidung man tatsächlich täglich braucht und was der bewusste Umgang mit Mode bewirken kann. Eine Herausforderung, finde ich, und so packe ich meinen Koffer und mache mit!

Schon länger schleppe ich die Frage mit mir herum „Was ist der beste Umgang mit Kleidung?“. Ansätze wie öko-faire Moden kaufen, selber nähen und upcyceln, nur noch trödeln oder Klamottentausch bieten Antworten, sind jedoch so zahlreich, dass es mir schwer fällt mich „richtig“ zu entscheiden. Meine bisherige Lösung ist daher ein Mix aus vielem: wenn was Neues, dann öko-fair, sonst gerne trödeln und eigene Kleidung pflegen, flicken und aufwerten. Die Aktion „Modeprotest“ geht aus meiner Sicht noch einen Schritt weiter und hilft den bewussten Umgang mit dem was wir auf unserer Haut tragen zu stärken und umzudenken. Ich hoffe dadurch Klarheit zu finden und nach den besagten 7 Wochen Schritte der Veränderungen gehen zu können. Mein Ziel ist es, mir zu selbst zeigen was ich wirklich brauche und was nicht. Konkret möchte ich alles Überflüssige an Kleidung aussortieren und für immer aus meinem Schrank zu verbannen. Es ist mir ein Bedürfnis mich von materiellen Dingen zu trennen und mich zu befreien. Mein großer Vorsatz für dieses Jahr ist es, mein gesamtes Hab und Gut auf die Hälfte zu reduzieren, so dass ich problemlos in eine 30qm Wohnung umziehen könnte. Mit der Kleidung fang ich an.

Erstmal aussortieren

Ein guter Einstieg für den Modeprotest bietet mir der Kurztrip zu einer Freundin nach Münster über die Karnevalstage. Für etwa eine Woche packe ich meinen Koffer und damit auch nur meine Lieblingssachen ein. Selbst diese ziehe ich nicht alle in der einen Woche an. Zurück in Köln, wandern die Klamotten vom Koffer in den Schrank: der erste Grundstock ist gelegt. In meinem Flur stehen insgesamt 3 ein Meter breite Schränke, in denen ich neben Kleidung auch Bettwäsche, Schuhe und Taschen unterbringe. Einen davon räume ich komplett leer, um Platz für meine „Protestgarderobe“ zu schaffen. Die anderen beiden werden vollgepackt mit dem Rest und bleiben für die nächsten Wochen zu! Genauso sieht es in meiner Kommode aus: nur die oberste Schublade wird bestückt und in der nächsten Zeit genutzt. Um meine Protestgarderobe weiter zu bestücken, wähle ich all jene Kleidungsstücke aus, die ich sowieso regelmäßig und somit auch am Liebsten trage. Alles was ähnlich vom Stil ist oder nur wäre-schön-wenn, kommt zur Seite in die „Alternativ-Ecke“. Ich nutze die Gelegenheit und sortiere gleichzeitig Kleidung aus, die ich A) auf dem Trödel verkaufen kann oder B) in etwas anderes vernähen werde oder C) die einfach nur ausgedient haben und in die Kleidersammlung wandern. Die Kleidungsstücke, von denen ich mich nicht trennen mag oder die auf den Sommer warten, kommen in einen der verschlossenen Schränke. Diese werden nach der Fastenzeit nochmal genau inspiziert…

Mein „Protest-Schrank“

Es ist wie im Urlaub: jedes Teil im Schrank findet luftig Platz, kein quetschen oder aufeinander stapeln. Es ist erleichternd zu wissen, dass ich nur das was sich in diesem Schrank befindet tragen kann. Kein Grübeln am Abend „Was zieh ich morgen an?“, kein müdes Starren am Morgen in den vollen Schrank. Einmal bestückt, zähle ich nach, sortiere weiter aus und schaffe eine „Tauschstation“ um mir die Möglichkeit offen zu halten Klamotten, die ich gar nicht trage, mit anderen aus „Alternativ-Ecke“ tauschen zu können. Alles in allem komme ich auf 63 Teile. Wobei, das muss an dieser Stelle gesagt werden, ich Einige als Set zusammenfasse. So zähle ich ein Set aus 7 Unterhosen als 1 Teil, 3 Strumpfhosen ebenfalls, Schal, Mütze und Handschuhe in einer Farbe ergeben auch ein Set. Schuhe zählen einzeln, auch die für den Sport, Kleider, Hosen und Shirts sowieso. Um einen Überblick zu haben, liste ich alle Kleidungsstücke in einer Excel-Liste auf, samt Kategorie, Art und Farbe. Der Organ-Nerd kommt an diese Stelle durch… Außerdem noch eine Spalte um zu dokumentieren was ich tausche, rausnehme, ändere. Soll ja schließlich alles schön dokumentiert werden.

Weniger macht glücklich

Der Modeprotest gestaltet sich erstaunlich einfach und euphorisch. Schon jetzt bin ich erleichtert eine Auswahl von Kleidung im Schrank getroffen zu haben und jeden morgen zu wissen was ich tragen kann. Ich freue mich nur meine Lieblingsklamotten offiziell tragen zu „dürfen“ und fühle mich wohler den je in meiner zweiten Haut. Das mag aber daran liegen, dass ich sorgfältiger mit jedem einzelnen Kleidungsstück umgehe: zum Kochen wird eine Schürze getragen, zum Radfahren die Sportklamotten. Statt ein getragenes Kleidungsstück direkt in die Wäsche zu schmeißen, hänge ich es raus in den Garten zum lüften. Erstaunlich: es riecht viel natürlicher und frischer als es aus der Wäsche sein könnte. Mit der Unterwäsche, Socken und Sportkleidung ist das schon etwas schwieriger. Nach einer Woche ist diese aufgebraucht und tümmelt sich in meinem Wäschekorb; nur reicht der gesamte Inhalt nicht für eine volle Wäsche. So packe ich noch Bettzeug und Handtücher dazu und wasche bei 40° und mit Hygiene-Weichspüler. Geht fürs Erste auch.

 

Über Modeprotest: Die Kampagne möchte eine Protest-Bewegung auslösen, die Einzelpersonen befähigt, ihren Gewohnheitskonsum umzustellen. Dabei setzt Modeprotest auf Selbstbeteiligung. Statt auf Siegel und Zertifikate zu vertrauen, werden die Teilnehmer dazu ermutigt, Einkäufe zu reflektieren und eigene Standards zu entwickeln. Weniger zu konsumieren ist das vorrangige Ziel von Modeprotest, ist dies doch ein relevanter Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig gilt es aber auch auf hohe Produktionsstandards zu achten und entsprechend hergestellte Produkte zu bevorzugen. Neben kleineren Aktionen, die zu bewusstem Konsum aufrufen, entwickelt das Team von Modeprotest die Protestgarderobe – ein individualisierter Einheitslook als radikales, idealisiertes Protestoutfit und Beispiel einer perfekten Modeindustrie.

Mehr Infos über die Aktion findet ihr auch hier:
www.modeprotest.de
www.facebook.com/Modeprotest

5 Kommentare für “Modeprotest – mit 63 Kleidungsstücken in 7 Wochen”

  1. daklue wächst mit WERTE & WANDEL | daklue

    […] und Berlin den Laptop aufgeklappt und auswärts gearbeitet. Nebenher die Socialbar veranstaltet, mit Mode protestiert und zu Weihnachten extra gespendet. Das ganze Jahr über viele inspirierende und […]

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