Mehr Ruhe nach 7 Wochen #digitalfasten

daklue #digitalfasten

Jetzt habe ich ihn doch Tag vor Tag vor mir hergeschoben, diesen „Abschlussbericht“, das Fazit, die Auswertung meines Digitalfastens. Was nicht daran liegt, dass ich nicht gerne schreibe und Gedanken Buchstaben gebe, sondern schlicht weg an der Tatsache, dass ich mich dem Digitalen so entwöhnt habe während der Fastenzeit, dass mir ein Sonntag (wie heute) vorm Computer fast zu schade ist. Das sagt im Prinzip schon alles und könnte so mein Fazit sein. Wie es im Detail in den letzten 7 Wochen ohne Smartphone war, lest mehr.

daklue digitalfasten | Handy7 Wochen ohne Smartphone & noch mehr

Ich habe sie geschafft, die Fastenzeit, relativ, gemessen daran was man unter #digitalfasten versteht. Mit ersten Vorsätzen für das Jahr 2014 näherte ich mich dem Thema an, mit der Fastenzeit und dem Verzicht auf digitales Leben ging ich einen Schritt weiter. Selbst aufgestellte Regeln waren mein Leitfaden, mein stillgelegtes Smartphone meine ständige Versuchung. Der Anfang war besonders schwer, wie auf Entzug von digitalem Input. Ausgetrickst habe ich mich, indem ich mal eben ins Internet linste am Abend, um mich danach schlecht zu fühlen, weil es mir so garnichts brachte. Die 7 Wochen liefen insgesamt mal mehr mal weniger gut. Zum Ende hin immer besser, so dass ich mein Vorhaben fast vergaß. Es war eben ein Experiment, für das es kein „bestanden“ gibt, sondern nur persönliche Erkenntnisse und ein Fazit. Hier kommt meins.

daklue digitalfasten | BriefWas ist #digitalfasten eigentlich?

Die Frage habe ich mir natürlich zu Anfang meines Experimentes gestellt und mit meinen persönlichen Regeln (hier nach zu lesen) beantwortet. Gleich am 1. Tag der Fastenzeit treffe ich durch Zufall Anni Roolf, Konzeptionerin und Beraterin für handgedachte Änderungsstrategien, die ebenfalls vor hat digital zu fasten. Anders als bei mir, verzichtet sie nicht direkt auf ihr Smartphone, sondern richtet sich feste Analog-Zeiten ein, in denen sie bewusst digital unterwegs ist für E-Mails, Internet und Facebook. Bei meinen Recherchen entdeckt ich außerdem die Initiative „Digitales Fasten“. Hierbei hat sich bereits im vergangenen Jahr eine Gruppe von (bisher) 29 Teilnehmern vorgenommen, für 1 Woche konsequent auf digitale Medien zu verzichten. Frei nach dem Motto „Manchmal ist es an den Zeit dem Stecker zu ziehen!“ entwickelte sich daraus die Idee für ihre „digitale Fastenwoche“, die jeder jederzeit – unabhängig von der Fastenzeit – einlegen kann.

Wie man sieht, es gibt verschiedene Ansätze sich dem Thema zu näheren und dem Digitalen zu entziehen. Am Anfang ist es natürlich hilfreich ein persönliches Ziel oder auch Problematik zu formulieren, um sich sich selbst reflektieren und „Erfolg“ messen zu können. Mir persönlich hat es geholfen mein Vorhaben festzuhalten, hier im Blog darüber zu schreiben und mir folgende Aufgaben zu stellen.

Eine Auswertung in Punkten von 1 (leicht) bis 10 (schwer)

  • Alle Social-Media-Profile reduzieren auf das Nötigste (5)
  • Uhr anschaffen (1)
  • Wecker statt Handy (1)
  • Facebook-App löschen (4)
  • Pushnachrichten aus (1)
  • Bei Freizeit Smartphone aus (4)
  • Nach 22 Uhr kein Internet mehr (7)
  • Smartphone mit „altem“ Handy tauschen (8)
  • ersetzen was das Smartphone bietet: Landkarte, Navigation, Bahnticket, Kamera (9)
  • Internet nur im Büro (8)
  • Facebook & Co nur für berufliche Zwecke (7)
  • telefonieren in der Telefonzelle (8)
  • wichtige Dinge sagen oder als Brief schreiben (2)

daklue digitalfasten | GarageBilk mit Anni Roolf Halbzeit und noch immer am Kabel

Zur Halbzeit treffe ich mich wieder mit Fasten-Kollegin Anni Roolf. Wir verabreden uns zum CoWorking Frühstück in der GarageBilk in Düsseldorf und breiten unsere Gedanken – ganz analog – mit Kreide auf einer großen Tafel aus. Aus Erlebnissen, Notizen, Diskussionen entsteht ein Sammelsurium an verketteten Schlagwörtern, die das Innenleben unserer analog-digitalen Gefühle wiedergeben. Für einen Moment sind wir sprachlos, als wir dort so sitzen und auf unser Werk starren. Es wirkt als würde unser #digitalfasten einem Entzug gleichkommen und wir unsere Sucht hier und jetzt offen legen. Ich fühle mich ertappt. Viele Aspekte sind miteinander verwoben: die Motivation warum man sich mitteilen möchte, die politische Macht des Internets und welche Nachteile wir nicht sehen. Wie ein roter Faden zieht sich der Begriff „Werte“ durch unseren Notizen: Beobachtung und Bewertung von Anderen im Social Web, permanente Verwertung des Erlebten, wertvolle Momente mitteilen müssen. Für mich persönlich kristallisiert sich ein zentraler Satz raus, der mich erschrecken lässt: „Wenn ich nichts mitteile, hört es niemand, ist es/ bin ich nichts wert.“ Darüber muss ich solange nachdenken, bis ich mich dazu entschließe mein Fasten-Tagebuch nur analog und für mich zu führen, anstatt es – wie ursprünglich geplant – digital zu veröffentlichen. (Foto: Anni Roolf)

Tagebuch über das #digitalfasten

Während meiner Fastenzeit habe ich meine Erkenntnisse jeden Tag in ein Tagebuch geschrieben. Sortiert nach Tag, Datum, Gefühl und Notizen habe ich dort die kleinen Fundstücke meines Alltags und Erinnerungen gesammelt. Gerne blättere ich in der Zeit zurück, erinnere mich über die Berührung einer Konzertkarte an den gehörten Klang, lache über mein Gefühls-auf-und-ab und lege diesen wertvollen Abschnitt meiner Zeit, weg von Facebook & Co, in eine Schublade für später.

Wie geht es weiter: analog oder digital?

Es ist schon erstaunlich wie einfach man sich mit der Zeit „entwöhnen“ kann. Anfangs dachte ich noch ich brauche feste Regeln, eine Strategie und sehr viel Disziplin um mein Vorhaben mit dem digitalen Fasten durch zu halten. Doch im Grund ist es ganz einfach: sei entschlossen, höre auf und gewöhne Dich dran. So habe ich es vor – jetzt schon über 8 Jahren – auch mit dem Rauchen geschafft, und vermisse keine einzige Zigarette seither. Es gibt eben nichts darüber zu diskutieren. Denn je mehr man nur über etwas spricht, desto präsenter wird es.

Natürlich, zu Anfang kostet jeder Verzicht Überwindung und Umgewöhnung. Und genau darin liegt aus meiner Sicht der Schlüssel: in der Gewohnheit. Mit der Zeit tritt an die Stelle der Leere, die wir durch den Verzicht geschaffen haben, etwas anderes. Wir füllen es mit etwas anderem und fühlen uns dann wieder vollständig. Meine freie „analoge“ Zeit habe ich genutzt um einfach mal leer zu werden und Platz für neue kreative Ideen, inspirierende Gespräche oder einfach nur Ruhe zu schaffen. Das hat mich so sehr entspannt und erfüllt, dass mich das Internet (insbesondere Facebook & Co) schlichtweg enttäuscht und mir das, was ich bereits habe, nicht geben kann.

Trotzdem werde ich jetzt nicht zum Internet-Verweigerer oder Facebook-Aussteiger. Das würde zum Einen beruflich garnicht gehen, zum Zweiten möchte ich auch auf einige Vorteile nicht verzichten. Ich möchte einfach Internet selber bestimmen und nicht bestimmt werden. Mein schönes altes Handy werde ich weiter behalten und vor allem am Wochenende benutzen. Unterwegs, gerade im Urlaub, reist das Smartphone mit, zu praktisch sind hier Dinge wie Kommunikation mit der Außenwelt, Fotos hochladen und Infos im Netz recherchieren. Für das Wochenende, freie Zeit und draußen in der Natur behalte ich weiter digitalfreie Zeiten bei um richtig „da“ und nicht woanders sein zu können. Und das schreiben, hier im Blog, das bleibt. Aber das ist ja auch etwas Wertvolles.

5 Kommentare für “Mehr Ruhe nach 7 Wochen #digitalfasten”

  1. Maria

    Hallo!

    Ich finde es sehr bemerkenswert, wie Du das durchgezogen hast. Ich hatte vor ca. 3 Jahren eine Zeit, da war ich nur 1-2 x pro Woche vor dem PC, nicht einmal meine Mails haben mich interessiert.

    Seitdem hat sich einiges geändert, vor allem seitdem ich die Bloggerlandschaft kennen gelernt habe. Seitdem verbringe ich echt viel Zeit im Internet, es ist aber auch so interessant zu lesen und ich finde so viele Anregungen.

    Nur das Abschalten, das fällt mir dadurch halt wirklich schwer. Wenn ich mal einen Tag nicht on bin, dann habe ich schon wieder ewig viel nachzulesen, als würde ein großer Stapel Zeitungen am Tisch liegen bleiben.

    Mut zur Lücke habe ich derzeit (noch) nicht.

    danke für die Gedankenanregungen!

    lg
    Maria

  2. Daniela Klütsch

    Danke liebe Maria für Dein Feedback!

    Die Mut zur Lücke hast Du im Prinzip schon längst bei Dir, Du musst sie nur wieder reaktivieren. Wie Du es so schön beschrieben hast: vor 3 Jahren war es Dir noch ein Leichtes wenig Zeit im Internet zu verbringen, danach ist es dann mehr geworden. Was ja zeigt, Du kannst auch ohne bzw. weniger. Und das können wir, aus meiner Sicht, alle, da wir ja alle auch mal „ohne“ zurecht gekommen sind.

    Methoden wie das Fasten, oder einfach mal eine Auszeit am Wochenende, oder feste Bürozeiten können helfen um wieder auf eine ruhigere Bahn zu kommen. Ich fände es auch nicht sinnvoll das Internet ganz abzuschalten, nur in Maßen sollte es sein, so wie es jedem Einzelnen eben gut tut.

    Außerdem sind die realen Geschichten, live aus dem Leben, eh die Schönsten 🙂

    Liebe Grüße & viel Erfolg
    Daniela

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