Aktion „aparigraha“ im März: spenden, schenken & verkaufen

Aktion „aparigraha“ im März: spenden, schenken & verkaufenIm Januar Zimmer für Zimmer aussortiert, im Februar Gegenstände und Erinnerungen losgelassen, diesen Monat Möbel verkauft und die Wohnung leer geräumt. Ich hab´s geschafft: 75 qm plus Garten sind entrümpelt und meine Wohnung gekündigt! Doch was sich so einfach und schnell anhört, brauchte seine Zeit, in Stunden als auch in Gedanken. Auch hier hat es sich bewährt die Wohnung zimmerweise leer zu räumen und nicht mehr als 4 Stunden an maximal 2 Tagen die Woche zu investieren, sonst wäre ich schier durchgedreht und hätte mehr Chaos verursacht als behoben. Eines Besseren wurde ich in Sachen eBay belehrt: ganz so schnell und einfach à la 1-2-3-meins lassen sich Möbel und andere Besitztümer nicht verkaufen, und fröhlich ist – wenn es um´s Geld geht – auch nicht jeder. Ich hab es trotzdem ausprobiert und den ein oder anderen, inklusive mir selbst, damit glücklich gemacht.


daklue Aussortieren SchenkeboxSpenden, schenken & verkaufen

Keine Frage, am Meisten Freude bereitet mir das Schenken und Spenden. Wie spaßig einem 30jährigem bei seinem Freudestanz über eine geschenkte alte „Spice Girls CD“ zu zusehen… erleichternd, wenn die zu-verschenken-Kiste im Hausflur immer leerer wird… oder Freude mit den Mitarbeitern des Sozialkaufhauses zu teilen beim Anblick von 2 Kisten Klamotten. Schenken ist etwas Beidseitiges: man bekommt immer etwas zurück. Gefreut hab ich mich natürlich auch, wenn für das Aussortierte am Ende ein paar Euro zusammen gekommen sind. Das alte IKEA Bett, der Servierwagen aus dem Bad und mein alter Walkman… Kleinvieh macht auch Mist und gleichzeitig meine Wohnung leer. Das gesparte Geld wurde in ein neues gebrauchtes Sofa von eBay investiert und der Rest in die Reisekasse gepackt.

Adressen & andere Möglichkeiten

1. Spenden

Es hat sich als sehr hilfreich erwiesen den Empfänger der Spende vor dem Aussortieren festzulegen, das macht das loslassen leichter. Möglichkeiten gibt es hier mehr als man denkt, man muss nur etwas recherchieren. In Köln beispielsweise gibt es einige gemeinnützige Vereine und Initiativen, die Dinge wie Kleidung, Haushaltsgeräte, Geschirr, Möbel & Co entweder direkt Bedürftigen zukommen lassen oder den Erlös des Verkaufs an eben diese spenden. Sehr gute Erfahrungen, wenn es darum geht bestimmten Menschen wie z.B. Flüchtlingen gezielt zu helfen, habe ich bei Nachbarschaftsinitiativen gemacht, die sich über Facebook organisieren wie das Neue Nachbarn Netzwerk in Köln. Hierüber kommen oft spezielle Anfragen rein wie „Eine Flüchtlingsfamilie braucht für die neue Wohnung noch einen Tisch und ein Regal.“ oder „Die Alte Feuerwache eröffnet ein Nähcafé für Flüchtlingsfrauen und sucht Stoff und Co.“ Hier ist der Kontakt persönlich und ich weiß genau beim wem meine Sachen ankommen. Eine Auswahl an Spendemöglichkeiten und meine persönlichen Tipps für Köln & Umgebung:

2. Schenken

Noch schöner als das Spenden ist das Schenken von Dingen an eine bestimmte Personen. Das hat mir besonders bei Gegenständen geholfen, von denen ich mich nur schwer trennen konnte, die ich aber – ehrlich zu mir selbst – nicht weiter nutzen würde, wie bestimmte Bücher, ein Lampe zum selber basteln aus Papier von Labbé oder ein Herz zum Knautschen. All diese Dinge sind bei mir in die Kiste „zu verschenken“ gewandert und werden bei passenden Gelegenheiten wie Geburtstage von Freunden, Wohnungseinzug und Mitbringsel für Kinder herausgeholt. Warum sollte man auch immer etwas neu Gekauftes verschenken? Es kann genauso ein einmal gelesenes Buch sein, das man mit viel Liebe verschenkt, oder ist das dann weniger wert?

Bewährt hat sich auch eine Kiste voller Dinge zum verschenken einfach in den Hausflur zu stellen oder, wie meine Kollegin Anja Heppekausen von a little style, digital in unserer Büro-Facebook-Gruppe zu posten. Wenn man dieses Feld einmal betritt, ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten der Verbreitung von Schenkboxen… alle gelesenen Design-Zeitschriften für das Café um die Ecke, Bücher zu verschenken auf den Bürgersteig, Krims-Krams-Box neben die Parkbank… ich bin mir sicher ihr habt noch mehr Ideen 🙂

3. Verkaufen

Natürlich gab es bei meiner Entrümplungsaktion auch Gegenstände, die mir – materiell betrachtet – zu wertvoll erschienen, als dass ich sie verschenken und spenden wollte. Darunter diverse gut erhaltene Möbel, nicht mehr passende Kleidung und Schuhe oder technisch einwandfreie Fotokameras samt Objektive. Hinzu kamen diverse Dinge aus dem Haushalt und Lager meine Mutter, die sich über Jahre dort angesammelt hatten. Die beste Gelegenheit um endlich mal ein eBay-Kleinanzeigenkonto zu eröffnen. Auch hier sei gewarnt: das alles kostet Zeit. Aber: wenn man einmal eine Routine von Gegenstand fotografieren, hochladen plus Text dazu, Kontakt zu Interessenten halten, Abwicklung über paypal und verschicken mit Hermes raus hat, dann ist es ganz einfach.

Weiteres, was Andere noch gebrauchen können und in eine Kiste packt, habe ich für die Trödelmarktsaison im Sommer beiseite gelegt. Auch wenn das nicht gerade die lukrativste Möglichkeit ist zu Gedl zu kommen, macht sie mir einfach am Meisten Spass. Ich habe es auf finale zwei Umzugskartons geschafft, mehr nicht. Diese werde ich sicher auf einem meiner 5 liebsten Trödelmärkte diesen Sommer los, nur einen Termin muss ich noch ausmachen.

4. Ab in den Müll

Als letzte mögliche Option gibt es natürlich noch den Müll. Es soll Menschen geben, die ihr Aussortiertes direkt dorthin befördern. Kann man machen, finde ich persönlich aber arg unachtsam, wenn man bedenkt wie viel Zeit man mit der Beschaffung und der Nutzung verbracht hat, mal ganz abgesehen davon dass dieses Fast-Food-Verhalten die Müllberge unseres Planeten nicht gerade schrumpfen lässt. Aus meiner Sicht sollte man sich nicht nur beim Konsum und der bewussten Entscheidung FÜR Etwas Zeit nehmen, sondern auch bei der Entsorgung. Beispielsweise kann man alte Handys gut recyceln lassen, Papier zu Papier und Plastik zu Plastik geben oder Sondermüll wie z.B. Elektrozeug zum Werkstoffhof bringen. Schön ist dabei, dass am Ende erstaunlich wenig für den Hausmüll übrig bleibt. Da freut sich der globale Müllberg.

Colabor MeetUp AchtsamkeitColabor MeetUp zum Thema „Achtsamkeit“

Keine Frage: das Ganze kostet zwar kein Geld, aber Zeit. Wer mit Muße aussortiert stößt einen Prozess an, der weiter gehen kann als einmal durch den Kleiderschrank. Grundsätzliche Fragen tauchen wie aus dem Nichts auf: Warum kann ich nicht loslassen? Welche Bedeutung hat all der gesammelte KrimsKrams für mich? Wird man mich vergessen, wenn ich nichts hinterlasse? Über diese Fragen haben wir gestern im Colabor | Raum für Nachhaltigkeit beim monatlich stattfindenden MeetUp sehr intensiv und persönlich diskutiert. Mit mir gaben 3 weitere Sprecher, plus 2 Spontane aus dem Publikum, ihren Impuls zum Thema „Achtsamkeit“ (hier mehr Infos zum Event). Sehr spannend von Julia Amanda Mock (Gründerin von No Holy Shit Yoga) zu hören welche Auswirkung Achtsamkeitsübungen wissenschaftlich betrachtet auf unseren Geist und Körper haben, wie man die Natur noch achtsamer mit allen Sinnen erleben kann (Anna Kolossova) und wie Achtsamkeit Wandel ermöglicht und bestärkt (ein Vortrag von Martin Herrndorf).

daklue Aussortieren ÜbungDas Bedürfnis sich frei zu machen von Materiellem, um mehr im Hier und Jetzt anzukommen, hatten viele der Zuhörer, ohne gleich zum asketischen Minimalisten werden zu müssen. Aber das muss ja auch gar nicht sein. Es geht mir viel mehr darum Andere dazu zu motivieren bewusst mit sich selbst umzugehen und mehr bei sich anzukommen. Das Aussortieren der Wohnung – und später dann auch der Gedanken – ist eine Möglichkeit sich in diese Richtung zu bewegen. Für alle die gestern nicht dabei waren, hier eine kleine Übung zum nachmachen und runterladen für zuhause. Vielleicht fangt ihr ja gleich heute damit an?!

 

Vorsätze für 2016 machen

Über die Aktion „aparigraha“

Mein Vorsatz für das Jahr 2016 ist, endlich mal auszusortieren und innerlich „klar“ zu werden. Ich beschäftige mich dabei verstärkt mit „aparigraha“, dem sich Freimachen vom Materiellem und Horten von Dingen, eines der 5 Yamas der Yoga-Sutras von Patanjali. Jeden Monat werde ich mir ein neues, eigenes Thema vornehmen, Ziele setzen und diese innerhalb der 4 Wochen umsetzen. Der Plan ist, Stück für Stück zu entrümpeln, bis ich mich später im Jahr von meiner Wohnung trennen und mich verkleinern werde. Meine Erfahrungen über dieses Vorhaben werde ich dann Ende jeden Monats hier im Blog beschreiben.

 

5 Kommentare für “Aktion „aparigraha“ im März: spenden, schenken & verkaufen”

  1. Ulrike Greimers

    Hi Daniela,

    ich folge Deinem Blog seit ein paar Wochen und war auch beim Meetup im Colabor dabei (toll, Dein Vortrag!). Beim Lesen dieses Beitrags habe ich mich jetzt gefragt: geht’s überhaupt noch weiter? Du hast ja, so wie ich es verstanden habe, Dein Ziel jetzt schon erreicht und gibst Deine Wohnung auf …

    Wie schon persönlich beim Meetup erwähnt: ich tue mich sehr schwer mit dem Loslassen, aber sehr einfach wenn ich konkret weiß was von wem benötigt wird.

    Danke für Deine vielen Anregungen!!!

    Herzliche Grüße aus Düsseldorf,
    Ulrike

  2. Daniela Klütsch

    Huhu liebe Ulrike,

    und ganz lieben Dank für Deine Worte und Deinen Besuch gestern (extra aus Düsseldorf!) im Colabor.

    Du hast Recht, mein anfänglich formuliertes Ziel meine Wohnung aufzulösen habe ich Ende April erreicht. Lustig finde ich dabei, dass ich bei der Entwicklung dieser Vorsätze Ende 2015 dachte, dieser Prozess würde viel länger dauern… tut er aber gar nicht. Im Moment fühlt es sich für mich so an, als wäre das Gröbste weg. Das heisst ja nicht, dass ich nun nichts mehr besitze. Sprich: das Aussortieren ist ein fortschreitender Prozess, der immer feinstofflicher wird. Was noch ansteht sind „emotionale“ Gegenstände, die bei mir in der „Später-Kiste“ gelandet sind, wie Fotos, Briefe und Tagebücher.

    Im April/Mai wird mit Sicherheit das Thema „Raum wirken lassen“ und „Freiheit spüren“ im Vordergrund stehen. Was mache ich mit dem neugewonnenen Raum? Wie nutze ich die freie Zeit am Besten? Ich möchte vermeiden, wozu ich durchaus neige, direkt wieder weiter zu preschen und mich in neue Aufgaben zu stürzen. Leere auf sich wirken zu lassen und auszuhalten, ohne gleich etwas Neues in die Lücke zu stopfen, kann Herausforderung genug und eine schöne Achtsamkeitsübung sein.

    Also: es geht weiter und neue Türen wollen geöffnet werden.

    Ich freu mich weiter mit Dir in Kontakt zu bleiben und bin gespannt wie viel und was Du in Zukunft noch loslassen kannst.

    Viele liebe Grüße aus Köln,
    Danni

  3. Weiter gehts… – vielundwenig

    […] Eigentlich ein Thema, mit dem ich nicht viel anfangen kann, aber ich wollte gerne hören, was Daniela Klütsch über ihre Aufräum-Aktion erzählen würde. Auch die anderen Vorträge waren durchaus inspirierend. Z.B. die Anregung, sich […]

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